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Rainer Maria Rilke

4. Dezember 1875 – 29. Dezember 1926

~ Von Rainer Kaune ~

„Ich will mich entfalten.“
Rilke (1899)


Rainer Maria RilkeSein Leben war schwierig von Anbeginn an. Rainer Maria Rilke – geboren am 4. Dezember 1875 in Prag - kam zwei Monate zu früh zur Welt, blieb schwächlich und wurde von einer überspannten Mutter fast wie ein Mädchen erzogen. Sein Vater war ein verhinderter österreichischer Offizier, der sich in einem ungeliebten Zivilberuf mühsam durchschlagen musste. Was das Leben den Rilkes verwehrte, wurde durch Schein ersetzt. Der Dichter darüber in einem Lebensrückblick: „[…] unser kleiner Hausstand, der in Wirklichkeit kleinbürgerlich war, sollte den Schein von Fülle haben, unsere Kleider sollten die Menschen täuschen, und gewisse Lügen galten als selbstverständlich.“

Obgleich der Junge zart und übersensibel war, wurde er von der fünften Klasse an auf Militärschulen gegeben. Der Heranwachsende zerbrach fast daran. Als er fünfzehn Jahre alt war, erlöste ihn der Vater aus diesem Martyrium und erlaubte den Besuch einer Handelsakademie. Dann eine Privat-Weiterbildung, die den Zugang zur Universität ermöglichte. 1895 hieß der Studienort Prag, danach München. Die Studienfächer: anfangs Literatur, Kunstgeschichte und Philosophie, dann Rechtswissenschaft.

Einen regulären Studienabschluss strebte Rilke nicht an, denn er wusste ja längst: Er war zum Dichter bestimmt. Dass sein 1894 erschienener Buch-Erstling – Titel: „Leben und Lieder“ – noch wenig originell und ziemlich klischeehaft war, verminderte niemals sein Selbstgefühl.
Nahezu hellsichtig schrieb er im Alter von 24 Jahren:
"Was noch keiner zu wollen wagte,
wird mir einmal unwillkürlich sein.“


Künstlerisch voran brachte auch der episodische Liebesbund mit der erheblich älteren Lou Andreas-Salomé, mit der er im Jahre 1900 ohne Dabeisein Ihres Ehemanns auf Russlandreise ging. Hauptvorzüge dieser Frau aus Sicht des jungen Geliebten: Sie bestätigte aufs Schönste, dass er dichterisch groß war, und sie verstand es, ihn zu beruhigen, wenn der Dämon Hypochondrie über ihn herfiel und dann oftmals – wie sie sich ausdrückte – „jene absolute Angst vor dem Verschlucktwerden ins Nichts“ sein Wesen aufwühlte.

Noch im selben Jahr trat eine neue Frau in Rilkes Leben. Sie hieß Clara Westhoff, war eine aufstrebende Bildhauerin und wurde kennen gelernt im gastfreundlichen Haus des bereits namhaften Künstlers Heinrich Vogeler in Worpswede. Das nahezu mittellose Paar heiratete Ende April 1901. Am 12. Dezember kam ihr einziges Kind – Tochter Ruth - auf die Welt.

Existenzsorgen stellten sich umgehend ein. Auch zeigte sich bald, dass Rilke die Fähigkeit fehlte, eine nahe und hingebungsvolle Dauerbeziehung zu führen. In einem Brief vom 12. Februar 1902 machte er zum Beispiel die seltsame Aussage, er halte es „für die höchste Aufgabe einer Verbindung zweier Menschen […], dass einer dem anderen seine Einsamkeit bewache“. Und am 8. August 1903 brachte er die Brief-Worte zu Papier: „[…] in einem Gedicht, das mir gelingt, ist viel mehr Wirklichkeit als in jeder Beziehung oder Zuneigung, die ich fühle; wo ich schaffe, bin ich wahr […].“

Das Ehepaar trennte sich im August 1902, bewahrte aber bleibend Kontakt.

Nach dem Scheitern seiner Ehe hielt Rilke sich lange in Paris auf, wo er insbesondere bei dem genialen Bildhauer Auguste Rodin prägende Eindrücke in Sachen Kunst und Arbeitsethos empfing. Dann setzte er seine nomadenhafte Lebensweise fort. Liebesbeziehungen ergaben sich wieder und wieder. Als ihm der künstlerische Durchbruch gelungen war, traten zudem bewundernde Frauen in sein Leben, die lediglich die Absicht verfolgten, ihn beschützen zu dürfen, die Zuwendungen machten, Wege ebneten oder Domizile zuwiesen. Die Fürstin Marie von Thurn und Taxis tat sich dabei besonders hervor.

Schon früh galt Rilke als Großer. Hauptstufen zum Ruhm waren die lyrischen Werke „Das Stunden-Buch“, „Das Buch der Bilder“, „Neue Gedichte“ und vor allem das balladenhafte Bändchen „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“, das sogar Kultbuch-Status erlangte.

Grandios auch die Prosa, die Rilke zu schreiben verstand. Sein 1904 begonnener und 1910 veröffentlichter Roman „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ konfrontierte die Leserschaft auf erschütternde Weise mit Bedrängnissen wie Schwermut, Einsamkeit, Angst und Tod. Rilke über seine Romanfigur Malte: Sie ist „[…] zum Teil aus meinen Gefahren gemacht […]“.

Mehr und mehr wurde Rilke zum Dichterphilosophen.

Im Jahre 1922 leistete der unverwechselbare Ausnahmekünstler sein Bestes: Er vollendetet die „Duineser Elegien“ und warf in kürzester Zeit „Die Sonette an Orpheus“ aufs Papier. – Am 11. Februar schrieb er dankbar und glücklich: „Ich habe überstehen dürfen bis dazu hin. Durch alles. Wunder. Gnade.“

Und noch etwas wurde ihm endlich, endlich geschenkt, nämlich das große innere Ja zum irdischen Leben. Rilke auf den letzten Blättern seiner „Duineser Elegien“:
„Erde, du liebe, ich will. Oh glaub, es bedürfte
nicht deiner Frühlinge mehr, mich dir zu gewinnen […].
Namenlos bin ich zu dir entschlossen, von weit her.
Immer warst du im Recht, und dein heiliger Einfall
ist der vertrauliche Tod.“

Es folgte der innige Wunsch:
„Dass ich dereinst, an dem Ausgang der grimmigen Einsicht,
Jubel und Ruhm aufsinge zustimmenden Engeln.
Dass von den klar geschlagenen Hämmern des Herzens
keiner versage an weichen, zweifelnden oder
reißenden Saiten.“


Etwa zwei Jahre später erkrankte der Dichter an einer schwer erkennbaren seltenen Form von Leukämie, die ungewöhnlich schmerzhaft war. Fast bis zum Schluss auf Rettung hoffend, starb er am 29. Dezember 1926 im Alter von 51 Jahren in Val-Mont.

Sein Grab liegt auf dem Friedhof von Raron.

Vieles von Rainer Maria Rilke wird aber für immer unsterblich bleiben.





Es stehen 95 Sprüche von Rainer Maria Rilke im Spruch-Archiv


Zufallsspruch von Rainer Maria Rilke

erka 4062 Sprüche 15.05.2010 - 23:04   deutscher Spruch Facebook Share
[...] Jedem, der sein Blut
hinaufhob in ein Werk, das lange wird,
kann es geschehen, dass ers nicht mehr hochhält
und dass es geht nach seiner Schwere, wertlos.
Denn irgendwo ist eine alte Feindschaft
zwischen dem Leben und der großen Arbeit.

Rainer Maria Rilke erlaubterlaubtDer Spruch darf mit Autorenangabe frei verwendet werden, da die urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist († 29. Dezember 1926)
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