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 Diskussion zu "Scheißegal" Antworten
So, 8. August 2010, 19:21
Tanja 5429 Sprüche
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Diskussion zu "Scheißegal"
Wie ihr vielleicht bemerkt haben, gibt es wieder einen neuen Gedanken.
Eure Meinungen sind natürlich auch (und gerade jetzt) in der Sommerpause gefragt!
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Allie Keys in "Taken"

So, 8. August 2010, 21:49
Xian 1365 Sprüche
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Ich finde deine ganzen mühsam zusammengesuchten Fakten prima! :rofl:

Du hast uns einen exzellenten Kurzüberblick über die Religiösität der Deutschen gegeben. Und du hast mit allem irgendwie völlig recht. :praise:

Es ist nicht so, dass sich die Leute "für oder gegen" Religion entschieden hätten... heutzutage spielt Religion bei den meisten Menschen einfach überhaupt keine Rolle mehr.

Ganz besonders leidet darunter die christliche Kirche, denn sie indoktriniert nicht mehr unnachgiebig und brutal wie im Mittelalter. Es ist mittlerweile auch okay, sich gegen sie zu entscheiden. Und wenn die Kirche die Wahl lässt, dann darf sie auch nicht mehr zur Entscheidung zwingen.

Und deshalb stauben auch viele Leute (ich eingeschlossen!) die Geschenke für Erstkommunion oder Konfirmation ab, weils viel Geld ist, weils toll ist, weil die Eltern es wollen, weil das halt einfach irgendwie dazugehört. Danach ist der Druck weg, niemand zwingt einen mehr, in die Kirche zu gehen. Und gerade, wo man in das Alter kommt, sich ernsthafte Gedanken über Gott machen zu können (ich nenne einfach mal als Hausnummer so >18), hat man keinen Anlass mehr, sich mit Gott und der Kirche zu beschäftigen. Die Eltern haben nichts mehr zu sagen, die Kirchensteuer macht das alles nur noch unangenehmer... dann doch lieber gleich austreten und die Kirche hinter sich lassen!?

Vielen fällt es schwer, sich auf die "kirchliche Doktrin" einzulassen. Für andere wiederum ist es überholt, an Gott zu glauben. Manche finden es einfach cool, Agnostiker oder Atheisten zu sein. Eine bewusste Entscheidung und Beschäftigung der Materie geht dem allen aber nur sehr selten voraus.

Und ich weiß auch genau, woran das liegt. Früher war Gott viel mehr im Mittelpunkt. Heute haben wir eine Ellbogengesellschaft, und man muss jede freie Minute für sich und seine Karriere widmen. Und dann ist da noch die Freundin. Die Hobbys wollen natürlich auch nicht zu kurz kommen...
... und schon hat man in einem Zeitalter, in dem man Gott vielleicht sogar am Meisten brauchen könnte, keine Zeit, sich mit Gott zu beschäftigen.

Bei Judentum und Islam schreitet dieser "Zerfall" bisher noch langsamer voran, weil dort meistens die Religion noch kein Streitthema, sondern unstreitbar ist.

Die Kirche aber hat sich zur Diskussion gestellt... und hat verloren.

Tanja 5429 Sprüche, Danke für deinen tollen Gedanken. :superman: (und verzeih, dass ich die anderen noch immer nicht beantwortet habe...)
SignaturLiebe Grüße,
Christian 1365 Sprüche
Mo, 9. August 2010, 20:47
Joy 4950 Sprüche
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Jap, ich muss Xian 1365 Sprüche zustimmen, auch wenn ich das lieber nicht täte: Wie du immer deine Fakten zusammen sammelst, ist schon erstaunlich. Als würdest du keinen Gedanken schreiben, sondern eine Doktorarbeit ;-P Ich komm da ja total ins Hintertreffen und stehe voll doof da ;-P Wo zur Hölle bekommst du immer deine Zahlen und Fakten her? Woher weißt du, wonach du suchen musst? Ich steh da immer vor einem Rätsel *grien*

Nun weiter: Ich denke, dass die meisten Christen desshalb Christen sind, weil sie so erzogen wurden bzw in einen christlichen Haushalt geboren wurden, und zu faul waren, sich ernsthaft mit der Religion auseinander zu setzen. Viel anders ist es bei mir auch nicht. Der einzige, der sich wirklich mit dem christlichen Glauben auseinander gesetzt hat und dir sonstwelche Bibelstellen nennen kann, ist mein ältester Bruder, und der ist Atheist! (würd mir mal zu denken geben ...)

Mir persönlich gefällt der christliche Glauben nicht. Er ist zu verbacken. Das ist bei den meisten Religionen so: Wenn man die Glaubensfundamente übernimmt, muss man auch die Geschichte und die "Heiligen" dieses Glauben übernehmen. Das aber passt mir gar nicht. Daher falle ich wohl unter deine Kategorie: "So halt irgendwie Gott, aber jetzt nicht so wie in der Bibel...". Was genau es damit auf sich hat, können wir zwei mal im stillen Kämmerchen besprechen. Nur so viel: Ich finde die Grundlagen und Fundamente der meisten Glaubensrichtungen sehr passend. Der Glaube an einen Sinn des Lebens, eine Aufgabe, Menschlichkeit, Nächstenliebe, Demuth, Opferbereitschaft, all das sind Dinge, die ich durchaus gutheiße und nach denen zu leben ich mich auch bewusst entschied. Aber ein brennender Dornenbusch? Eine Sechsarmige, blaue Gestalten? Elefantenkopf? Werfbarer Blitz? Ein Achtbeiniges Pferd? (Wobei man das richtig cool erklären kann ;-P) Himmel? Hölle? Ibis und Krokodilsköpfe? Ach kommt schon! Das akzeptiere sogar ich als etwas unwahrscheinlich. Und das will was heißen! Die Kirche mag ich noch weniger. Die hat einfach im Laufe der Zeit so viel Scheiß gemacht, dass es einfach nicht mehr haltbar ist.

Was die Firmung angeht, gestehe ich mich als Überzeugungstäter: Geld und Geschenke. Und eine Gelegenheit, ein wirklich tolles Kleid zu tragen und wie sich wie eine Braut zu fühlen :-P
Ich finde die Geschichten in der Bibel immer so faszinierend und interessant. Schließlich stehe ich auf Märchen :-P Joseph habe ich immer sehr gerne gehört. Moses, Sodom und Gomora, all die kleinen Bonbons. Aber der Glauben selbst? Da gefiel mir das immer nicht, wie es damit gehalten wurde. Es gab keinen Raum für Kritik oder eigene Gedanken. Man musste alles schlucken, was einem vorgesetzt wurde. Und das konnte ich nicht ausstehen.

Ich finde es traurig, dass die Religion für die Menschen nun so unwichtig ist. Sie hat gute Lehren, wichtige Grundsätze und schöne Geschichten. Und vor allem geben sie uns Menschen Hoffnung. Hoffnung, dass unser Dasein mehr ist als nur eine Anreihung von Zufällen. Und das Vertauen, nicht allein zu sein, sondern dass jemand über uns wacht. Außerdem finde ich, dass sie eine gute Chance war, seine eigene Person zu entdecken - wenn man sie richtig zu nutzen weiß.
Es ist eine kalte Welt, wo du Menschen an nichts mehr glauben, im äußersten Fall nur an die eigenen Fähigkeiten, und nichts mehr erwarten, erhoffen, erträumen oder erwüschen. Wo man nicht mehr an (göttliche) Wunder glaubt. Man verliert einen sehr wichtigen Wert. So sehe ich das. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Was mich persönlich angeht, ich versuche mich nach den Werten zu richten, die die Religionen zu vermitteln versuchen, aber kann einfach (noch) keine dieser Geschichten mit meinem Leben vereinbaren. Daher mache ich es wie wohl die meisten Menschen: Ich kreiere mir meinen eigenen Glauben.

Was mir ein sehr schöner Gedanke scheint, ist die Idee, dass Gott (mann, wie ich diese ausgelutschte Bezeichnung verabscheue) trotzdem immer da ist, egal, was wir tun. Wir müssen nicht an ihn glauben, aber er ist trotzdem da und wacht über uns. Er ist einfach da ... und wenn wir ihn brauchen und ihn rufen, hört er uns zu. Und lässt uns die Chance, zu wachsen.

Es gibt noch viele schöne Gedanken und Gleichnisse zu dem Thema. Der Gott, der dir nicht die Last abnimmt, sondern die Schultern stärkt. Gott, dem Wasser gleich, der immer da ist und man kann selbst entscheiden, wie weit man hinein geht. Gott, der machtlos ist und nichts weiter tut, als über uns zu wachen, weil er sonst nichts kann. Gott, der ein sadistisches Arschloch ist, dass sich über unsere Problemchen einen Ast ablacht, wie wir es bei einer Soap täten. Gott, der Schöpfer, der etwas in Gang setzte und es nun werden lässt. Gott, der überall und nirgens ist - in der Luft, die wir atmen ebenso wie in uns. Gott, der mit dem Rauschebart auf deiner Wolke sitzt und den lieben Papi spielt. Oder eben der Gott, der in jedem von uns zu finden ist, oder eher "das Göttliche".
Ein interessantes und sehr vielschichtiges Thema zumindest, das du da angesprochen hast.

Ein kleine Denkanstoß: Die Satanisten sollteste auch mal mit in die Überlegungen einbeziehen, die sind ganz lustig. Es ist - entgegen der gängigen Meinung - nicht so, dass sie den Teufel anbeten. Vielmehr ist dort jeder sein eigener Gott.
SignaturJoy 4950 Sprüche

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~>:heart:<~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
joy

Mo, 9. August 2010, 22:31
Tanja 5429 Sprüche
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Das freut mich ja ehrlich, dass der Gedanke so gut angekommen ist.

Zitat von Joy 4950 SprücheDer einzige, der sich wirklich mit dem christlichen Glauben auseinander gesetzt hat und dir sonstwelche Bibelstellen nennen kann, ist mein ältester Bruder, und der ist Atheist! (würd mir mal zu denken geben ...)
Wusste ich nicht. Aber gut. Die einzigen, mit denen ich mich ab und zu über die Bibel unterhalten und die sich ebenfalls schweinisch gut damit auseinandergesetzt haben, sind die Zeugen Jehovas.
Und die sind alle Zeugen Jehovas.
Ich glaube, das braucht einem nicht weiter zu denken geben :-D

Zitat von Joy 4950 SprücheWenn man die Glaubensfundamente übernimmt, muss man auch die Geschichte und die "Heiligen" dieses Glauben übernehmen.
Tja, ich bin evangelisch. Ich musste keine Heiligen übernehmen. Netterweise kann man sich da heute aussuchen, wie streng man sein Christentum gerne hätte. Opus Dei - Zeugen Jehova - Katholiken - Protestanten - Unitarier. Von blutig über medium bis well done :-)

Zitat von Joy 4950 SprücheEine Sechsarmige, blaue Gestalten? Elefantenkopf? Werfbarer Blitz? Ein Achtbeiniges Pferd? (Wobei man das richtig cool erklären kann ;-P) [...] Ibis und Krokodilsköpfe?
Ehm, klär mich auf...

Zitat von Joy 4950 SprücheDie Kirche mag ich noch weniger. Die hat einfach im Laufe der Zeit so viel Scheiß gemacht, dass es einfach nicht mehr haltbar ist.
Hm, das ist für mich ein schwieriges Argument. Gottes Existenz hängt ja nicht davon ab, ob es Kreuzzüge gab. Und Gläubigkeit zeigt sich nicht darin, ob man die Aussagen des Papstes knorke findet.
Man kann auch nicht sagen, dass Gläubigkeit bis heute eine Gefahr auf den Weltfrieden ausübt. Vielleicht ein bisschen noch auf die Verhütung. Aber auch das ist schon konfessionsabhängig.

Ich würde nicht allein aufgrund der Fehler der Kirche ungläubig werden.
Das wäre, als würde ich wegen des Dritten Reiches nicht wählen gehen.

Zitat von Joy 4950 SprücheEin kleine Denkanstoß: Die Satanisten sollteste auch mal mit in die Überlegungen einbeziehen, die sind ganz lustig. Es ist - entgegen der gängigen Meinung - nicht so, dass sie den Teufel anbeten. Vielmehr ist dort jeder sein eigener Gott.
Hm. Sein eigener Gott.
Falls das heißt, das man eigenständig Entscheidungen trifft, sich selbst Rechenschaft schuldet und sich um Verantwortung bemüht - dazu brauche ich keine Subkultur.
Falls das ein bisschen Okkultismus, dunkle Kleidung, Rückwärtsbotschaften in Liedern, umgedrehte Kreuze und die Haltung "Mann, sind wir anti!" beinhaltet... och, lass mal...

Zitat von Xian 1365 SprücheUnd gerade, wo man in das Alter kommt, sich ernsthafte Gedanken über Gott machen zu können (ich nenne einfach mal als Hausnummer so >18), hat man keinen Anlass mehr, sich mit Gott und der Kirche zu beschäftigen. Die Eltern haben nichts mehr zu sagen, die Kirchensteuer macht das alles nur noch unangenehmer... dann doch lieber gleich austreten und die Kirche hinter sich lassen!?
Ein interessanter Gedanke. Vielleicht wäre es sinnvoll, die Konfirmation zu verlegen. Ich meine, mit achtzehn sind manche schon Berufstätig, machen gerade Führerschein oder sind im Klausurenstress. Da kriegt man keinen in den Konfirmandenunterricht. Aber vielleicht mit sechzehn?

Zitat von Xian 1365 SprücheHeute haben wir eine Ellbogengesellschaft, und man muss jede freie Minute für sich und seine Karriere widmen. Und dann ist da noch die Freundin.
:waiting:

Zitat von Xian 1365 SprücheBei Judentum und Islam schreitet dieser "Zerfall" bisher noch langsamer voran, weil dort meistens die Religion noch kein Streitthema, sondern unstreitbar ist.
Ich habe nicht so das Gefühl, dass das Judentum unhinterfragt bleibt. Israel mag ein bisschen sehr patriotisch sein, aber ich kenne keine Judisten, die sich mit einem "Für Jahwe!" in die Menge stürzen. Hüte und Locken an den Backen haben auch die wenigsten. Das jüdische Volk wirkt auf mich recht westlich, den Nachrichten zu urteilen. Auch, wenn es eine Menge Selbstvertrauen hat.

Aber egal, darum gehts ja nicht.
Ist das jetzt gut, wenn der "Zerfall" noch auf sich warten lässt?
Anscheinend betrauerst du das Nachlassen von Religiösität ("...und schon hat man in einem Zeitalter, in dem man Gott vielleicht sogar am Meisten brauchen könnte, keine Zeit, sich mit Gott zu beschäftigen.")

Ich bin der Meinung, Religionsfreiheit sollte nicht nur innerhalb eine Staates, sondern auch innerhalb eines Menschen gelten. Sprich: Man sollte sich irgendwann bewusst für seine Religion entschieden haben. Sonst hat man seine staatliche Religionsfreiheit nämlich nicht genutzt.

Der Fehler am Christentum ist aus meiner Sicht nicht, dass es zur Debatte steht.
Der Fehler ist, dass zu wenige auf die Debatte eingehen.
Somit kann ich den Zerfall nich wirklich schlecht heißen, er zeigt ja nur, dass jetzt so langsam persönliche Religionsfreiheit herrscht. Man muss das nur auch nutzen.
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Hope is the biggest lie there is, and it is the best.
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Allie Keys in "Taken"

Di, 10. August 2010, 09:46
Joy 4950 Sprüche
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Also, was die Zeugen Jehowas angeht, die sind auch nicht sonderlich gut über die Bibel informiert. Die haben nur die paar Stellen, die sie immer zitieren, stehen mit der Bibel in der Hand vor einem - was wahnsinnig gebildet und wissend aussehen soll - und nutzen nur die Stellen, die sie brauchen um dich davon zu überzeugen, dass die Welt bald unter geht - was irgendwie bisher nicht so oft eingetroffen ist ... auch, wenn wir so fleißig dran arbeiten ....
Aber eins stimmt: Es macht wahnsinnig Spaß, sich mit diesen Zeugen zu unterhalten. Vor allem, wenn du irgendeine andere Religion hast, die sie erstmal groß blicken lässt *muhahahahaha* Aber es ist sowieso lustig, Menschen zu überraschen.

Ja, das mag sein, aber bei uns Katoliken ist es wirklich so, dass wir, wenn wir an Gott glauben wollen, wie sie es gerne hätten, dann sollen wir zum Beispiel auch an Jesus glauben. Bei den Bahai ists Abdul'ba'ha und bei den Mussliemen ists ... wie hieß der noch gleich? Achja, Mohamed Ali. Es wird einem einfach nahe gelegt, die Messiasse, die Boten und eben auch oft die Heiligen mit zu übernehmen. Die Geschichte, wie sich die Leute geopfert haben, um diesen Verein zu gründen und so weiter und so fort. Und was mich angeht: Wenn ich die well-done-Religionssicht nehme, dann ist es für mich so, dass ich mich dort nicht mehr so recht zugehörig fühle. Es ist dann einfach nicht mein Glaube, sondern einer, der meinem nicht unähnlich ist. Das ist alles.

Eine Sechsarmige, blaue Gestalten = Inder, Kali, Erhaltung von Leben und Tod
Elefantenkopf = Ebenfalls Inder, Ganesh, wofür der steht, weiß ich jetzt net
Werfbarer Blitz = Römer, Iupiter oder Griechen, Zeus (Also bitte! DAS hätteste wissen können :-P)
Achtbeiniges Pferd (Sleipnir) = Germanisch/Wickinger, Odin (Willst du die Geschichte auch hören?)
Krokodilskopf = Ägyptisch, Sobek, Gott des Wassers

Ich sage ja auch nicht, dass ich Gott nicht leiden kann und das Gott den Mist gemacht hat. Ich sage, dass ich die Institution Kirche nicht ab kann und dass sie absolut Mist verzapft hat. Und total unlogisch ist (will verhindern, dass Kinder abgetrieben werden aber erlaubt keine Verhütung ... solln wir alle in Abstinzenz leben, oder wie? Das schaffen die Menschen nicht.). "Gott" mag ich nicht, weil es ein abgehalfterter, missbrachter und zu ausgelutschter Begriff ist. Ich komme mit dem klar, was "Gott" sein soll. Aber ich verabscheue den Begriff. Daher suche ich mir meinen eigenen Namen für ihn/sie/es und halt mich von der Kirche fern ... außer von der in Lüchtringen. Die ist toll. Das ist eine, die wirklich, wirklich, wirklich suggerieren kann, dass es diesen, jenen oder einen Gott gibt ...

Nein, das mit der Haltung ist einfach nur ein Bild, das geprägt wurde von Menschen, die mal damit angefangen haben. Und die, dies so halten, fallen eben auf. Die anderen nicht. Die anderen scheinen so wie alle zu sein und reden einfach nur nicht drüber. Davon ganz abgesehen ist das umgedrehte Kreuz ebenso wenig ein Satanssymbol wie das umgedrehte Pentragramm. Die Kirche - hier sind wir wieder bei ihren Kritikpunkten - hat es nur dazu gemacht. Ich meine, hallo? Wir haben all das übernommen, was sie uns suggeriert hat: Hexen sind schlecht. Warum gab es Hexenverfolgung? Weil die Frauen dem Patriachat der Kirche in Wissen, Sittsamkeit und Macht gefährlich wurden (hab ich mich ja schonmal drüber ausgelassen). Ebenso wurden alle ihre Symbole "verteuflicht". Der Teufel ist schlecht? Na ja, du kennst mein Märchen ja *kicher* Vielleicht ist er ganz anders, als man denkt! Vielleicht handelt er wirklich nur mit angemessenen Preisen anstatt - wie die Kirche - darauf zu bestehen, dass wir uns schuldig fühlen und gleich unser Leben als Pfand geben. Lilith ist die Dämonengöttin? Na toll! Die erste Frau Adams ist bööööse, weil sie es gewagt hat, sich gegen ihren ebenbürtigen Mann aufzulehnen und wird gleich zur Dämonin abgestempelt! Suuper! Weiterhin die Festtage der Kirche. Meinst du Weihnachten wäre von denen erfunden? Nein, es ist das Fest der Sol invicus, der unbesiegten Sonne (laut Christen ist das Jesus) oder eben kurz gesagt die Windersonnenwende. Ostern? Das germanische Fest der Ostra (Symbole: Hase und Ei), der Fruchtbarkeitsgöttin. Ist ja auch im Prinzip genial, die Feste der Kulturen, die man übernimmt, ebenfalls nach eigenen Regeln zu integrieren, damit das Volk leichter folgt. Auffallend ist einfach, dass lange Zeit, vermutlich auch jetzt noch, eben jene Arten von Menschen die Kirche leiteten, die außerhalb sofort als böse, teuflisch und mit dem Satan im Bunde dargestellt worden wären. Die, die behaupten, gut zu sein, sind von den Bösen selbst geleitet.
Weiterhin: Es ist eh immer eine Frage der Definition. Wenn du oben bist oder gewonnen hast, dann hast du die Möglichkeit, dich als gut darzustellen und deine Gegner als Böse. Alle glauben es dir, weil sie tief in sich die Sehnsucht haben, dass "das Gute siegt". Und so kannst du die Geschichte betrügen. Es ist egal, wer im Recht war, wer wirklich gut gehandelt hat und wer welche Motive hatte: Die Guten haben gewonnen. Und alles wird so überliefert, dass wir das glauben.

Ich halte es nicht für ratsam, die Konfirmation zu verschieben (nebenbei wir hatten eh Firmung ...), denn dann würde die Kirche nimmermehr in die schwarzen Zahlen kommen.

Es ist schwierig, zu sagen, dass die Religionsfreiheit innerhalb der Menschen gelten soll. Zu wenige machen sich heutzutage noch Gedanken um so etwas. Die Mentalität ist einfach, dass jeder Dinge macht (oder nicht macht), ohne drüber nach zu denken. Einfach, weil sie immer schon so gemacht wurden. Man macht es einfach. Bewusst zu leben ist zwar gerade so leicht im Kommen, aber nicht wirklich da. Es wird von der Presse suggeriert, dass wir bewusster leben sollen, aber werden doch manipuliert, wenn es um die Bereiche geht. Ernährung zum Beispiel. Aber hast du schon mal eine Werbung gesehen, in der es darum geht, sich mit Gott zu beschäftigen? Eben ^^
Wir dürfen selbstsändig denken, aber nur im Rahmen des Erlaubten. Im Prinzip ist das voll erbärmlich...
Ich denke, es begründet auch Kommunion, Konfirmation und Firmung: Man macht es einfach, weil es gemacht wird, weil es Gang und Gebe ist. Man heiratet Kirchlich in Weiß, weil suggeriert wird, dass das die Ehe ausmacht (Hollywood lässt grüßen). Man lässt sein Kind taufen, weil es einfach so Tradition ist. Man hinterfragt es nicht. Man tut es, oder man lässt es. Meistens wirklich ohne wirklich abgewogen oder drüber nachgedacht zu haben.

Stimmt. Ich denke auch, dass die Kirche einen guten Schritt tat, sich als disskussionsfähig darzustellen. Damit hatte sie die Möglichkeit, wieder in den Vordergrund zu treten und die Menschen dazu zu bringen, sich wieder mit ihr auseinander zu setzen. Sie hatte die Möglichkeit, wieder ins Gespräch zu kommen, sich zu verändern, verbessern und zu wachsen. Sie hatte die Möglichkeit, ihr staktieves Selbst hinter sich zu lassen und neu gemacht zu werden, in einer Art, wie es die jetztige Gesellschaft braucht. Sie hatte die Möglichkeit, die alten Werte im neuen Kleid zu verbreiten (und zwar ohne eine Neuauflage der Bibel in einem Jugendslang, den kein Mensch versteht und wo man sich lieber die ganz alte Version zur Hand nimmt, um ein wenig was zu verstehen!) Sie hatte die Möglichkeit ... aber sie hat es voll verkackt. Sie hat es vollkommen falsch angestellt. Sie wollte nicht "neu" sein, sie wollte "modern und cool" sein, was ich um ehrlich zu sein schon fast für kriminell halte (kennt ihr das, wenn ein alter Opa plötzlich anfängt im möchtegern-jugendslang zu reden? So mit krass, cool und was weiß ich noch alles? Das tut einfach nur weh!). Was sie nicht bedachte: Wer modern ist, ist in Mode. Und wer in Mode ist wird früher oder später wieder aus der Mode sein. Das ist geschehen: Sie ist wieder aus der Mode.
Ein weiteres Problem ist, dass sie immernoch so abgehoben ist. Sie hat die modernseinaktion gestartet, ohne wirklich zu wissen, wonach es uns verlangt, was wir brauchen. Wir brauchen keine "coole Kirche", wir brauchen ein starkes, festes und flexiebles (!!!) Leitbild, das in unsere Zeit passt und uns Menschlichkeit und Nächstenliebe nahe bringt. Die sich wie eine Mutter um uns kümmert, da ist und uns mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn wir Hilfe brauchen, aber uns nicht begluckt und ihre sichtweise aufzwingt. Wir suchen doch jemanden, der uns leitet und der uns in dieser Zeit einen Sinn gibt. Wir sind doch alle Suchende!
Der Fehler der Kirche war einfach nur, zu behaupten, sie würden zuhören und sich Gedanken über UNS machen, dass sie sich ändern und verbessern wollen, aber in Wirklichkeit geht es ihnen nur darum, ihren eigenen Arsch zu retten. Und das spürt man. Sie hört nicht zu, hört nur, was sie will und nutzt es zu Zwecken, die die falschen Gründe haben: Eigendarstellung. Das lässt sie falsch und egoistisch wirken ... und das ist für die Kirche, wie sie gemeint war, einfach nicht das Richtige. Sie müsste im Prinzip mal grundsaniert werden. und dann müssen wir den Mist vergessen, den sie gemacht hat. Ob wir das überhaupt können?

So, jetzt reicht es aber. Entschuldigt den langen Beitran -.-*
SignaturJoy 4950 Sprüche

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joy

Di, 10. August 2010, 15:35
Tanja 5429 Sprüche
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Zitat von Joy 4950 SprücheAlso, was die Zeugen Jehowas angeht, die sind auch nicht sonderlich gut über die Bibel informiert. Die haben nur die paar Stellen, die sie immer zitieren, stehen mit der Bibel in der Hand vor einem - was wahnsinnig gebildet und wissend aussehen soll - und nutzen nur die Stellen, die sie brauchen um dich davon zu überzeugen, dass die Welt bald unter geht - was irgendwie bisher nicht so oft eingetroffen ist ... auch, wenn wir so fleißig dran arbeiten ....
Den Eindruck habe ich nicht.

Zitat von Joy 4950 SprücheBei den Bahai ists Abdul'ba'ha und bei den Mussliemen ists ... wie hieß der noch gleich? Achja, Mohamed Ali.
Bleiben wir bei Mohammed. Muhammad Ali war Boxer. :grin2:

Zitat von Joy 4950 SprücheEine Sechsarmige, blaue Gestalten = Inder, Kali, Erhaltung von Leben und Tod
Elefantenkopf = Ebenfalls Inder, Ganesh, wofür der steht, weiß ich jetzt net
Werfbarer Blitz = Römer, Iupiter oder Griechen, Zeus (Also bitte! DAS hätteste wissen können :-P)
Achtbeiniges Pferd (Sleipnir) = Germanisch/Wickinger, Odin (Willst du die Geschichte auch hören?)
Krokodilskopf = Ägyptisch, Sobek, Gott des Wassers
Na gut. Ich dachte, deine Beispiel hätten sich alle auf das Christentum bezogen.

Zitat von Joy 4950 Sprüchewill verhindern, dass Kinder abgetrieben werden aber erlaubt keine Verhütung ... solln wir alle in Abstinzenz leben, oder wie?
Ja, ich glaube, so war der Plan :-)

Zitat von Joy 4950 SprücheWir dürfen selbstsändig denken, aber nur im Rahmen des Erlaubten. Im Prinzip ist das voll erbärmlich...
Die Presse und die Werbung zeigen uns zunächst mal das vorhandene Angebot.
Ich hätte keine Ahnung, was Hot Wheels sind und welcher Film und 20 Uhr 15 läuft, wenn mir das nicht ab und zu gesagt würde.
Dass ich auf die Hot Wheels verzichte und den Film sehe, zeigt, dass ich selbstständig denke.
Klar wird uns etwas nahe gelegt. Aber ich sehe nicht wirklich die Determination.

Zitat von Joy 4950 SprücheIch denke, es begründet auch Kommunion, Konfirmation und Firmung: Man macht es einfach, weil es gemacht wird, weil es Gang und Gebe ist. Man heiratet Kirchlich in Weiß, weil suggeriert wird, dass das die Ehe ausmacht (Hollywood lässt grüßen). Man lässt sein Kind taufen, weil es einfach so Tradition ist. Man hinterfragt es nicht. Man tut es, oder man lässt es. Meistens wirklich ohne wirklich abgewogen oder drüber nachgedacht zu haben.
Na, aber das ist ja nun kein Grund, so weiter zu machen.
Ich habe mich nicht konfirmieren lassen. Und über meine Hochzeit überlege ich noch. Katholisch wird sie schonmal nicht.

ZitatWer modern ist, ist in Mode. Und wer in Mode ist wird früher oder später wieder aus der Mode sein.
Na, das ist doch spruchreif :-)

ZitatDer Fehler der Kirche war einfach nur, zu behaupten, sie würden zuhören und sich Gedanken über UNS machen, dass sie sich ändern und verbessern wollen, aber in Wirklichkeit geht es ihnen nur darum, ihren eigenen Arsch zu retten. Und das spürt man. Sie hört nicht zu, hört nur, was sie will und nutzt es zu Zwecken, die die falschen Gründe haben: Eigendarstellung. Das lässt sie falsch und egoistisch wirken ...
Hm. Also ich habe weder von der Modernisierung der Kirche (wir sind ja nicht bei "Dogma"... Kumpel Jesus!) noch von der großartigen Selbstdarstellung so viel mitbekommen. Also zumindest nicht in unangemessenem Rahmen. Dass es bei uns einen Jugendgottesdienst gibt finde ich jetzt nicht so verwerflich. Auf einem Kirchentag war ich nie, aber die Erzählungen erscheinen mir jetzt auch nicht grausam. Die Beichte gibt's meinewissens auch noch bei euch, zum Thema zuhören.
Welche Fehler meinst du?
Signatur

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We have to keep going as if it all mattered, or else we wouldn't keep going at all.
Allie Keys in "Taken"

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