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Fr, 28. Oktober 2005, 21:17
Josi 1473 Sprüche
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Geschichten
Hey Ihr Alle!
Habe vor kurzem auf einer Homepage mal eine sehr nette Geschichte gefunden. Joy kam dann auf die Idee, ich sollte sie mal hier ins Forum schreiben. Ihr könnt ja auch ein paar tolle Geschichten rein setzten, würde ich cool finden. :rofl:
Also viel Spaß beim Lesen!



UMSONST STERBEN!
EINE GESCHICHTE ZUM WEINEN!
Sie saß am PC wie fast jeden Abend. Immer wenn sie nach Hause kam, setzte sie sich an den Computer, wählte sich ins Internet ein und blieb so lange drin, bis sie ihre Mutter ins Bett scheuchte. Aber an diesem Tag war es anders. Sie hatte sich verliebt. Es verging kaum eine Minute, wo sie nicht an ihn dachte. Sie hatte nur seinen Nickname im Kopf und seine Beschreibung. Andauernd dachte sie darüber nach, wie er wohl aussehen würde. Sie hatten nie so richtig über sich selbst geredet, nie über persönliche Details wie genauer Wohnort oder so. Sie wusste nur, dass er in Deutschland wohnte wie sie selbst, aber etwa 400km weit entfernt; zu weit zum Besuchen. Sie konnte ihm vertrauen, konnte sich loslassen, konnte sich fallen lassen, wenn sie mit ihm chattete, was sie sonst nicht konnte. In real war sie sehr schüchtern, traute sich kaum etwas zu. Doch im Chat, wenn sie mit ihm sprach, dann konnte sie sich richtig fallen lassen und ihren Gefühlen freien lauf lassen. Doch dass sie sich in ihn verlieben würde, daran dachte sie nie. Sie hielt es nicht für möglich, sich in einem Chat zu verlieben, doch nun war es passiert; sie konnte nichts mehr dagegen machen. Es vergingen einige Tage. Sie dachte pausenlos an ihn; war schon öfters so nah dran, es ihm zu gestehen, aber sie schaffte es nie. Doch dann kam der Tag, an dem sie beschloss, es ihm zu sagen. Als sie sich nach der Schule an den PC hockte und in den Chat ging, war er nicht da. Sie wartete lange, doch er kam nicht. Sonst war er immer da. Jeden Tag um die selbe Zeit. Doch heute nicht.Sie hatte keine Ahnung was dazwischengekommen war und befürchtete schon das Schlimmste. Und da kam ihr die Idee, ihre E-mails nachzulesen. Sie hatte Post, es war eine Mail von ihm. Als sie den Betreff las, stieg in ihr ein eigenartiges Gefühl auf. Ein mulmiges Gefühl in ihrem Bauch...Ein Gefühl, das ihr die Luft wegbleiben liess. Im Betreff stand: Es tut mir leid, ich mag dich nicht... Sie machte die Mail auf...
Na du!
Es tut mir leid, ich hätte es dir schon viel eher sagen sollen, hätte es niemals so weit kommen lassen dürfen. Ich bin nicht der, den du denkst. Ich bin nur ein gewöhnlicher Mensch, kann mit dir ehrlich gesagt nichts anfangen. Ich habe dich die ganze Zeit nur belogen. In Wirklichkeit wollte ich nur jemanden verarschen. In Wirklichkeit kann ich dich nicht leiden. Du mit deinem ewigen Gejammer, du, mit deiner völlig abartigen Sicht zum Leben und allem. Ich habe mitgespielt, weil es das war, was du wolltest. Aber ich kann dich nun mal nicht leiden, deswegen werde ich dich jetzt auch in ruhe lassen. Das ist das Letzte was du von mir hörst.
Sie konnte es nicht glauben. Jedes Wort fühlte sich so an, als würde ein Messer in ihr Herz stechen. Es tat so fürchterlich weh, als sie das las. Die Tränen konnte sie nicht mehr zurückhalten. Sie rollten über ihre Wangen, bis zum Kinn. Es fühlte sich an, wie Dornen die sich in sie hineinfraßen. Sie war alleine daheim; zum Glück. So hätte sie es sich nie getraut, aus dem Zimmer zu gehen. Und das Weinen konnte sie auch nicht mehr unterdrücken. Es kam aus ihr heraus, als hätte sie seit Jahren nicht mehr geweint. Sie hatte das Gefühl, als würden diese Worte alles in ihr zerstören, verbrennen... Sie wollte nicht mehr. Er war die einzige Person, der sie vertraut hatte. Der sie alles über sich erzählt hatte. Doch es war alles nur Show...Er war nicht real, diese Person die sie liebte, hasste sie. Sie wollte nicht mehr leben. Alles, woran sie geglaubt hatte, war eine Lüge. Und das schlimmste war immer noch, dass er es ihr so sagen musste. Er hätte es auch anders tun können...Aber wieso so? Und wieso gerade sie, und nicht eine andere naive Chatterin? Sie sah nicht mehr richtig, ihre Augen waren voller Tränen. Und in ihr brannte es förmlich. Sie konnte sich noch daran erinnern, dass ihre Mutter einmal Schlaftabletten gekauft hatte.... Im Bad mussten sie sein, wie vor einigen Tagen auch noch, als sie sie per Zufall gefunden hatte. Sie setzte sich wieder an den PC, vor ihr der Posteingang - Keine neuen Nachrichten... Der Deckel des Röhrchens sprang weg, als sie es aufmachte. Darin hatte es einige weisse Tabletten. So klein und doch so gefährlich. Sie nahm sich eine raus und schluckte sie. Es war ekelhaft; es schmeckte fürchterlich bitter, aber die Tablette verschwand sofort in ihrem Magen. Der Rest kann ja nicht schlimm sein, gleich ist es eh vorbei dachte sie sich, und schluckte den Rest der Tabletten auch. Wie lange sie da saß und auf Post von ihm wartete konnte man nicht sagen. Es mussten Stunden gewesen sein. Ihr Kopf wurde immer schwerer, die Augenlider waren so schwer wie Blei. In ihrem Magen brannte es, doch sie spürte es nicht mehr. Alles war wie durch Watte gedämpft. Der Kopf sank auf die Tastatur, ihre Augen schlossen sich...Das Herz wurde immer langsamer, alles schlief ein. Für immer. Man fand sie am nächsten Morgen. Tot vor dem PC, in der Hand das leere Röhrchen. Und auf dem Bildschrim, eine Nachricht. Irgendwer musste sie geöffnet haben. Darin stand:
Hallo! Gott, was hat denn mein Bruder fürn Mist geschrieben?
Tut mir leid, ich habe das nicht geschrieben...
Glaub mir bitte...
Ich könnte dir niemals weh tun...
Denn ich liebe dich!!!
SignaturThe hardest thing in this world is to live in it
Fr, 28. Oktober 2005, 21:28
Josi 1473 Sprüche
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...Und diese Geschichte habe ich vor ner halben Ewigkeit mal selber geschrieben. Jaja, habe einen kleinen Schwan - Tick. Ich hoffe, sie gefällt euch trotzdem.
:smile3:



Kennt ihr diese Phase in eurem Leben, in der alles sinnlos scheint? Diese Tage, an denen ihr von der Welt verschwinden möchtet und ihr euch ganz sicher seid, dass euch kein Mensch vermisst, wenn ihr das tut, wonach ihr euch so sehr sehnt?
Bei ihr war das keine Phase, sondern Alltag.
Sie war noch so jung. Gerade mal fünfzehn Jahre alt. Und das einzige, was sie tat, wenn es ihr ausnahmsweise mal gut ging, was melankonische Musik hören und in ihrem dunklen Zimmer sitzen und Gedichte verfassen.
Am liebsten schrieb sie über Schwäne. Und hätte sie nicht diesen geheimnisvollen Traum gehabt, wäre ihr Leben nur ohne jedes Ereignis dahin geflossen …. oder sie hätte sich umgebracht.
Hier möchte ich von ihr und dem Traum erzählen.

Swanheart

Sie saß einmal wieder in ihrem Zimmer. Die schwarzen Tücher hingen von der Decke wie Tränen.
Ihre schwarze Kerze war fast herunter gebrannt. Der gelbgraue Vollmond schien durch ihre dunkelgrünen Vorhänge. Von unten hörte sie ein Bollern. Wieder stritten sie sich! Serina hasste es, wenn er sie schlug. Sie legte sich auf den Wollteppich, mit dem Gesicht zu den Tränen. Die Hände strichen den weichen Boden, ihr Gesicht war sie tot. Starr blickte sie an die Decke und wie immer in solchen Nächten blutete sie am linken Arm. Die Rasierklinge lag noch auf dem Nachtschrank unter der Stehlampe. Ob sie jemand vermissen würde, wenn sie eines Tages nicht mehr da wäre?
Serina drehte sich auf den bauch, zog sich einen schwarzen Papierbogen heran und schrieb mit einem Silberstift ihre Gefühle nieder. Das Blut lief warm und weich den Arm herunter, tropfte auf das Blatt. Es fühlte sich an wie Leben. Von unten hörte sie Schreie.
Sie stand auf und sah sich mit schwermütiger Einsamkeit in ihrem dreckigen goldenen Spiegel an. Die dunkel geschminkten Augen waren trüb, ihre Haare hingen wirr im Gesicht, dunkel wie die Nacht und schön wie die Sehnsucht, die sie rief. Seufzend ließ sie sich zurück auf den Rücken fallen. Eine Träne fiel von der Decke herab. „Kack-Mist!“, durchfuhr sie.
Jemand kam die Treppe hoch gerannt. Die Tür sprang auf. Schnell versteckte sie ihren blutenden Arm hinter dem Rücken. Ihre schwarze Bluse weichte schnell durch. Er stand vor ihr. „Serina, wie sieht es hier denn aus? Du sollst doch deine Scheißtücher von der Decke nehmen!!?“ Sie duckte sich unter seinem zum Schlag ausholenden Arm, saß immer noch hilflos auf dem Boden.
Sie wünschte sich jetzt tot zu sein, als er sie an den Haaren hoch zog und mit den Handgelenken gegen die Wand drückte. Er spuckte ihr ins Gesicht. „Und wisch dir das Zeug ab, du Satanistin!“ Sie fühlte, wie seine Hand, einskalt und schnell unter ihre Bluse glitt. Nicht schon wieder. Sie wagte es nicht zu wimmern.
„Halt ja dein Maul!“ waren die letzten Worte, die er ihr entgegen schrie, bevor er sie in seinen grausamen Zärtlichkeiten untergehen ließ.
Sie erwachte, kalt und starr, wie ein Kind, das man in der Wildnis nieder gelassen hatte. Nicht, dass sie geschlafen hatte, als er ihr gezeigt hatte, wie zart und böse er sein konnte - sie hatte sich tot gestellt und gehofft, es würde schnell vorüber gehen.
Jetzt, wo er wieder unten war fühlte sie sich schmutzig und allein gelassener den je.
Sie hasste Nächte wie diese. Wie ein Horrorfilm in schwarzweiß mit endloser Wiederholung kam ihr alles vor. Wenn sie zum Mond blickte, fühlte sie sich verstanden. Er war der einzige, stille Zeuge!
Serina setzte sich auf das Fenstersims. Das Fenster stand weit offen und befreiende Luft strömte ihr entgegen. Sie sah ihr Spiegelbild blass und undeutlich im Fensterglas - die schminke war verwischt. Sie war der einzige Schutzschild, dass ihr vor Menschen wie ihm ein kleines bisschen Schutz gab.
Sie fürchtete sich nicht mehr. Mit einem Mal hatte sie vor nichts mehr angst. Ihr Gesicht lehnte an der Wand. Sie machte für einen Moment die Augen zu. Fast wäre es ihr vorgekommen, als sei sie von der Fensterbank nach draußen gefallen. Ihr war wohlig warm und sie saß, nackt wie ein Kind, im Schoße der Schöpfung, in einem flachen See. Um sie herum war alles dunkel, aber über ihr leuchtete ihr nächtlicher Zeuge, gelbgrau schaute er auf sie hinab. Ihre Angst war immer noch nicht zurückgekehrt, obwohl sie nicht die geringste Ahnung hatte, wo sie sich befand. Sie sah sich um und erkannte die zarten Umrisse eines Waldes. Als sie hoch schaute verdeckten auf einmal dichte Baumkronen den Mond und sie fühlte sich eingesperrt. Serina stand auf und lief vorsichtig durch das flache Wasser. Fast hätte sie geschrieen, als sie das weiße Gewand trug, welches sich wie Flügel um ihren nackten Körper gelegt hatte. Es war weiche, schützende Seide, die sie umgab. Ein warmes Kribbeln verursachte eine leichte Gänsehaut.
Die Seide war trotz ihrer Farbe stumpf und auch der Mond gab nicht mehr viel Licht her. Sie wusste, dass sie erst aus dem Wald heraus finden musste, wenn sie zurück ins Leben wollte, obwohl sie nicht im Geringsten ahnte, warum sie hier war, wusste sie es mehr als alles andere. Links von ihr leuchtete plötzlich etwas. Warm und hell und gleichzeitig Respekt einflößend. Sie hob ihr gewand um sich drehen zu können. Vor ihr im Wasser saß ein wunderschöner ehrfürchtig wirkender Schwan.
Ihn umgab ein solches leuchten, dass die Dunkelheit des Waldes ihre Erdrückung verloren hatte. „Wer bist du?“, fragte sie leise. Der Schwan hatte solch menschliche, liebevolle Augen, dass ihr richtig warm ums hetz wurde. Braun und tief funkelte er sie an.
Solch ein wohliges Gefühl hatte sie das letzte mal, als ihr leiblicher Vater vor ihr gestanden hatte, das letzte mal, bevor er in seine ewige Ruhestätte ging - kurz vor seinem schrecklichen Autounfall. Dem schrecklichsten, an den Serina sich erinnern konnte. Plötzlich wurde ihr klar, dass sie darüber nicht ewig nachdenken konnte. Sie wusste, dass sie ihren Papa immer mit einem Schwan verglichen hatte, wenn er sie so ehrfürchtig und liebevoll ansah. Seit diesem Tag verkroch Serina sich unter ihrer dunklen Schminke. In einem Kokon aus Tod und Trauer.
Sie sah auf. Der Schwan saß jetzt direkt vor ihr im Wasser. Der Wald war verschwunden, oder sie waren auf einer Lichtung. Denn hinter ihnen waren immer noch große schatten zu erkennen, die bedrohlich in die Nacht ragten. „Er war einmal der wichtigste Mensch in deinem Leben“ Die Stimmer durchbrach wie ein Echo so plötzlich die Stille, dass Serina zusammen zuckte.
Obwohl sie sich nicht ganz sicher war, wovon der Schwan - der mit seinen Augen wie ein Fabelwesen wirkte - gesprochen hatte, sagte sie: „Ja, das war er. Und du hast seine Augen.“ Der Schwan streckte seinen Hals und wirkte, als ob er ihr zulächeln würde. Serina hatte Respekt, großen Respekt, was gegensätzliche Gefühle in ihr auf rief.
Und wieder wurde die tiefe Stille für die sanfte Stimme unterbrochen: „Ich möchte dir gern etwas zeigen. Halte dich an meinem Flügel fest.“ Wie durch ein Wunder war der Schwan auf einmal groß genug um ihr Gewicht tragen zu können. Oder war er das schon die ganze Zeit und sie hatte nur nicht richtig hingesehen? Aber sie tat wie ihr geraten. Als der Schwan in der Luft war, hielt sie sich vorsichtig an seinen starken Flügeln fest. Sie flogen! Und obwohl sie nur in dünne Seide gehüllt war fror sie nicht, sondern fühlte sich wohlig und geborgen.
Nun saß sie auf seinem Rücken. Sternenschauer flogen ihnen entgegen und eine zeit lang war nichts außer Sterne um sie herum.
„Vermisst du ihn noch sehr?“ Obwohl sie die Augen von ihrem Schwan nicht sah, wusste sie, dass die frage vorsichtig und behutsam gestellt war. „In Nächten wie dieser, normaler Weise schon. Nur zeige ich es nicht. Aber jetzt … ich habe mich schon lange nicht mehr so gefühlt.“ Eine Feder strich über ihren Arm, der vor einigen Stunden noch geblutet hatte. Die Narben der Vergangenheit waren wie weggewischt.
Mit einem Mal flogen sie unter einem Wasserfall hindurch. Die Wassermassen, die neben ihnen herab fielen leuchteten in allen Farben des Regenbogens. Sie erschrak, als sie auf einem spitzen Stein der vor ihnen auftauchte den Kadaver eines Fuchses entdeckte und wunderte sich, als sie auf einem Felsvorsprung, etwa vier Meter von dem leblosen Körper entfernt, landeten „Das ist es doch, was dir Angst macht, oder?“ Serina dachte erst, er meinte den Tod; als sie erkannte, dass der tote Fuchs die leblosen Augen ihres Stiefvaters besaß! Sie nickte, erschrocken darüber, was sie sah. „Aber er kann doch nicht tot sein.“, flüsterte sie. Der Schwan schloss die Augen und schüttelte den Kopf. „Aber wenn du die Schönheit des Lebens wieder erkennst, ist seine Lust dich zu demütigen tot. Ich wollte dir hier nicht die Schönheit des Todes zeigen, sondern das farbenfrohe Leben!“ Als Serina sich umsah, leuchtete der Wasserfall nicht nur in allen Farben des Regenbogens, er leuchtete in allen Farben, die sie kannte! …
RUMMS! Mit einem lauten Knall war sie schmerzhaft auf dem Boden gelandet. Mi verzerrtem Gesicht rieb sie sich den Hintern. Durch das offene Fenster schien ihr die Sonne grell ins Gesicht, grell, golden und Farbenfroh.
Serina lief ins Bad und verband mit Salbe ihren Arm, der immer noch tiefe Schnitte nachwies. Dann zog sie sich um und hängte die schwarzen Tücher von der Decke. Als ihr Blick dabei auf das Foto ihres Schwanes fiel, lächelte sie und zum ersten Mal, seit sie sich erinnern konnte, weinte sie vor einem Anflug von Glücksgefühl.
Ganz sicher war sie sich jetzt, dass sie sich DAS nicht mehr länger gefallen lassen musste, dass sie von IHM keine Angst haben musste! Heute würde sie sich Hilfe holen …
Der Schwan hatte ihr gezeigt, dass es noch Seelen gab, für die es sich zu leben lohnte.
Noch am selben Tag rief sie eine Beratungsstelle an, die ihr einen Platz in einem Heim für junge Mädchen mit Problemen zuwies. Als sie dort einen Jungen mit den gleichen braunen Augen wie ihr Lebensretter kennen lernte, verliebte sie sich Hals über Kopf und legte endgültig ihre schwarzen Sachen ab!
Bis heute ist Serina ein Mädchen voll Lebensfreude geworden und es kommt ihr so vor, als habe sie ihr herz an einen Schwan verloren!
Und immer, wenn sie heute im Sommer Schwäne sieht, ist sie dankbar für das, was sie durchmachen musste, weil sie jetzt mit viel offeneren Augen durchs Leben geht.

Ende

Wem Serina in Gestalt des Schwanes in dieser Nacht wirklich begegnet ist, das weiß nur der nächtliche Zeuge, der Mond. Heimlich verglich sie der zeit ihren Freund immer mit dem Schwan aus ihrem Traum, auch als er ihr eines Nachts zuflüsterte: „Flieg mit mir davon in das Leben!“
Warum ausgerechnet Serina so etwas Wunderbares geschehen ist, kann ich euch nicht sagen.
Wenn ihr diese Phase in der ihr aus dem Leben verschwinden möchtet, kennt, hoffe ich, dass euch die Geschichte mit Serina und dem Schwan Mut gemacht hat. Denn sie hatte nicht alle Hoffnung aufgegeben, sonst hätte sie es nie geschafft aus dem Teufelskreis von Depressionen heraus zu kommen, die nur durch den Tod ihres Vaters verursacht wurden.
SignaturThe hardest thing in this world is to live in it
Do, 22. Dezember 2005, 16:51
Josi 1473 Sprüche
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Der Seelenvogel
Ich habe gerade eine Geschichte gefunden die wirkich ganz wunderschön ist. Ich hätte mindestens zwanzig Sprüche von machen können, aber es ist zu schade, das zu zerpflücken, deswegen
dachte ich, schreibe ich sie ins Forum. Vielleicht kommen hier ja noch mehr so kürzere Geschichten hinein?
Wäre dann sicher noch eine sehr schöne, zusätzliche Sammlung.
Vielen Danke fürs Lesen, eure Josi!

Der Seelenvogel

Tief, tief in uns wohnt die Seele. Noch niemand hat sie gesehen, aber jeder weiß, dass es sie gibt. Und jeder weiß auch, was in ihr ist.

In der Seele, in ihrer Mitte, steht ein Vogel auf einem Bein. Der Seelenvogel. Und er fühlt alles, was wir fühlen.

Wenn uns jemand verletzt, tobt der Seelenvogel in uns herum; hin und her, nach allen Seiten, und alles tut ihm weh.

Wenn uns jemand lieb hat, macht der Seelenvogel fröhliche Sprünge kleine, lustige, vorwärts und rückwärts, hin und her.

Wenn jemand unseren Namen ruft, horcht der Seelenvogel auf die Stimme, weil er wissen will, ob sie lieb oder böse klingt.

Wenn jemand böse auf uns ist, macht sich der Seelenvogel ganz klein uns ist still und traurig.

Und wenn uns jemand in den Arm nimmt, wird der Seelenvogel in uns größer und größer, bis er uns fast ganz ausfüllt. So gut geht es ihm dann.

Ganz tief in uns ist die Seele. Noch niemand hat sie gesehen, aber jeder weiß, dass es sie gibt. Und noch nie, noch kein einziges mal, wurde ein Mensch ohne Seele geboren. Denn die Seele schlüpft in uns, wenn wir geboren werden, und sie verlässt uns nie, keine Sekunde, solange wir leben. So, wie wir auch nicht aufhören zu atmen von unserer Geburt bis zu unserem Tod.

Sicher willst du wissen, woraus der Seelenvogel besteht. Das ist ganz einfach. Er besteht aus Schubladen. Diese Schubladen können wir nicht einfach aufmachen, denn jede einzelne ist abgeschlossen und hat ihren eigenen Schlüssel. Und der Seelenvogel ist der einzige, der die Schubladen öffnen kann. Wie? Auch das ist ganz einfach: mit seinem Fuß.

Der Seelenvogel steht auf einem Bein. Das zweite hat er, wenn er ruhig ist, an den Bauch gezogen. Mit dem Fuß dreht er den Schlüssel zu der Schublade um, die er öffnen will, zieht am Griff, und alles, was darin ist, kommt zum Vorschein.

Und weil alles, was wir fühlen, eine Schublade hat, hat der Seelenvogel viele Schubladen. Es gibt eine Schublade für Eifersucht und eine für Hoffnung. Es gibt eine Schublade für Enttäuschung und eine für Verzweiflung. Es gibt eine Schublade für Geduld und eine für Ungeduld. Auch für Hass und Wut und Versöhnung. Eine Schublade für Faulheit und Leere und eine Schublade für die geheimsten Geheimnisse. Diese Schublade wird fast nie geöffnet. Es gibt auch noch andere Schubladen. Du kannst selbst wählen, was drin sein soll.

Manchmal sind wir eifersüchtig ohne dass wir es wollen. Und manchmal machen wir etwas kaputt, wenn wir eigentlich helfen wollen. Der Seelenvogel gehorcht uns nicht immer und bringt uns manchmal in Schwierigkeiten...

Man kann schon verstehen, dass die Menschen verschieden sind, weil sie verschiedene Seelenvögel haben. Es gibt Vögel, die jeden Morgen die Schublade "Freude" aufmachen. Dann sind die Menschen froh.

Wenn der Vogel die Schublade "Wut" aufmacht, ist der Mensch wütend. Und wenn der Vogel die Schublade nicht mehr zuschließt, hört der Mensch nicht auf, wütend zu sein.

Manchmal geht es dem Vogel nicht gut. Dann macht er böse Schubladen auf.

Geht es dem Vogel gut, macht er Schubladen auf, die uns gut tun.

Manche Leute hören den Seelenvogel oft, manche hören ihn selten. Und manche hören ihn nur einmal in ihrem Leben. Deshalb ist es gut, wenn wir auf den Seelenvogel horchen, der tief, tief in uns ist. Vielleicht spät abends, wenn alles still ist....
SignaturThe hardest thing in this world is to live in it
Mo, 27. Februar 2006, 22:26
Nischa 939 Sprüche
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Wie man Tag und Nacht unterscheidet
Ein Guru fragte seine Schüler, wie sie das Ende der Nacht vom Beginn des Tages unterscheiden könnten.

Einer sagte: "Wenn man in der Entfernung ein Tier sieht und erkennt, ob es eine Kuh oder ein Pferd ist."

"Nein", sagte der Guru.

"Wenn man in der Entfernung einen Baum sieht und erkennt, ob es ein Paternosterbaum oder ein Mango ist."

"Wieder falsch", sagte der Guru.

"Also, wie dann?", fragten die Schüler.

"Wenn man in das Gesicht eines Mannes blickt und darin seinen Bruder erkennt; wenn man in das Gesicht einer Frau blickt und in ihr seine Schwester erkennt. Wer dazu nicht fähig ist, für den ist - wo immer die Sonne auch stehen mag - Nacht."
SignaturLiebe Grüße, Eure Nischa 939 Sprüche

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"Nichts ist wichtiger,
als in Liebe und Hoffnung seinem eigenen Weg zu folgen"

Di, 28. Februar 2006, 00:09
Nischa 939 Sprüche
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Der Suchende
Es war einmal ein Suchender.

Er suchte nach einer Lösung für sein Problem, konnte sie aber nicht finden. Er suchte immer heftiger, immer verbissener, immer schneller und fand sie doch nirgends.

Die Lösung ihrerseits war inzwischen schon ganz außer Atem. Es gelang ihr einfach nicht, den Suchenden einzuholen, bei dem Tempo, mit dem er hin- und herraste, ohne auch nur einmal zu verschnaufen oder sich umzusehen.

Eines Tages brach der Suchende mutlos zusammen, setzte sich auf einen Stein, legte den Kopf in die Hände und wollte sich eine Weile ausruhen.

Die Lösung, die schon gar nicht mehr daran geglaubt hatte, dass der Suchende einmal anhalten würde, stolperte mit voller Wucht über ihn! Und er fing auf, was da so plötzlich über ihn hereinbrach und entdeckte erstaunt, dass er seine Lösung in Händen hielt.
SignaturLiebe Grüße, Eure Nischa 939 Sprüche

:angel:

"Nichts ist wichtiger,
als in Liebe und Hoffnung seinem eigenen Weg zu folgen"

Fr, 1. Juni 2007, 15:30
Nischa 939 Sprüche
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Kain und Abel
Ein Maler wollte Kain und Abel malen. Er suchte sie. Suchte ihre Gesichter überall, in Kirchen, in Straßen und Gassen. Dann schließlich fand er Abel. Er fragte den Mann, der Able so ähnlich sah, ob er ihn malen dürfte. Nun hatte er einen der beiden Brüder. Jahrelang suchte er weiter, doch fand er nicht jenen, den er brauchte. Er suchte in Gefängnissen, in schwarzen Gassen und in Kneipen, voller düsterer Gestalten. Endlich, nach fünfzig Jahren fand er Kain. Er fragte den Mann, ob er auch ihn malen dürfe. Während Kain auf dem Stuhl vor ihm saß, seufzte er. "Was ist los?", fragte der Maler und der Mann, der Kain so ähnlich sah, antwortete: "Einst war ich Abel, mit reinem Gewissen und dem Glauben zu Gott. Nun bin ich Kain."
SignaturLiebe Grüße, Eure Nischa 939 Sprüche

:angel:

"Nichts ist wichtiger,
als in Liebe und Hoffnung seinem eigenen Weg zu folgen"

Fr, 1. Juni 2007, 21:50
Nischa 939 Sprüche
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Wünsche werden eben doch wahr!
Die alte Witwe hatte drei Töchter. Ihr Mann war, wie alle sagten, im Krieg gefallen, doch die Witwe glaubte nicht daran. Sie glaubte, sie hoffte, dass ihr Mann eines Tages zurückkommen würde. Die Alte und ihre drei Töchter wohnten in dem alten Haus auf dem Hügel. Es stand außerhalb des kleinen Dorfes. Keiner wagte es, dieses Haus zu betreten. Manche nannten es das Haus der Einsamkeit. Andere nannten es das Haus der Hexen. Die meisten hatten Angst vor der Alten und ihren Töchtern. Keiner hatte sie je zu Gesicht bekommen. Aber es hieß, dass ihre Töchter wunderschön waren. Ja, das waren sie auch. Die Älteste, hatte lange schwarze Haare und dunkelblaue Augen. Die Mittlere hatte ebenfalls schwarze Haare, doch sie hatte braune Augen. Die Jüngste hatte wie ihre zwei Schwestern schwarze Haare, doch sie hatte Himmelblaue Augen.

Die Witwe stand in der Küche und backte mit ihren Kindern Plätzchen. Die Mittlere wuselte durch die Gegend und bestreute alles mit Mehl. Die Älteste war draußen und baute einen Schneemann und die Jüngste saß am Küchentisch und starrte nach draußen. Ihre Augen waren traurig. Sie sah die ganzen Kinder, die mit ihren Eltern im Schnee spielten und wünschte sich, auch sie hätte einen Vater, der mit ihr im Schnee spielte. Doch ihr Vater war tot. "Worüber denkst du nach, Kind?", fragte ihre Mutter und musterte den traurigen Ausdruck auf dem Gesicht ihrer Tochter. Als sie nicht antwortete, fragte die Frau: "Was wünscht du dir denn zu Weihnachten?" "ich wünsche mir, dass Vater kommt und mich umarmt!", sagte sie und starrte immer noch nach draußen, "Aber das wir nie geschehen, denn Vater ist tot!" "Nein, Kind, dein Vater ist nicht tot. Er wird zurückkommen. Das verspreche ich dir, du musst es dir nur wünschen. Dann wird er kommen und dich umarmen!", widersprach ihre Mutter und wandte sich wieder ihren Plätzchen zu.

Als Die Jüngste diesen Wunsch ihren Schwestern erzählte, lachten die nur und sagten, sie sei doch verrückt. Aber die Jüngste wünschte es sich immer und immer wieder.

So vergingen die Jahre. Aus einem wurden zehn, aus zehn wurden zwanzig. Die Witwe starb, die beiden Älteren Töchter zogen aus, nur die Jüngste blieb und wünschte sich immer nur diesen einen Wunsch. Sie wünschte, ihr Vater würde kommen und sie umarmen. Mit der Zeit wurde auch sie alt. Doch sie blieb in dem Haus, denn wo sollte ihr Vater sie sonst suchen kommen.
Mittlerweile war sie achtzig Jahre alt und hatte bald keine Hoffnung mehr, dass ihr Vater noch kommen würde. Doch ein wenig Hoffnung würde immer in ihr brennen. Es war Heiligabend. Der Schnee fiel auf das kleine Dorf und umhüllte es mit einer weißen Decke. Die alte Frau sah aus dem Fenster und erblickte einen uralten Mann, der das Dorf betrat. Ihm fehlten ein Bein und der Gesichtssinn. Seine Augen waren weiß und kalt. Und doch verströmten sie so viel Liebe, so viel Geborgenheit. Der Mann humpelte auf den Hügel zu und in Windeseile rannte er hinauf. Es klopfte an der Tür, einmal, zweimal, dreimal. Dann öffnete die alte Frau. Dort stand er, ihr Vater. Er war gekommen. Sie fiel ihm um den Hals und er flüsterte: "Ich liebe dich meine Tochter!" Sie antwortete: "Wünsche werden eben doch wahr!" Dann starben sie beide, Arm in Arm. Aber ihr Wunsch hatte sich erfüllt. Er war gekommen und hatte sie umarmt. Wenn man ganz fest daran glaubt, geschehen unglaubliche Dinge. Denn Wünsche werden eben doch wahr!
SignaturLiebe Grüße, Eure Nischa 939 Sprüche

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"Nichts ist wichtiger,
als in Liebe und Hoffnung seinem eigenen Weg zu folgen"

Do, 25. Februar 2010, 14:27
anonym 37 Sprüche
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Nichts ändert sich - Fuat Kaya
Nun stehe ich hier. Irgendwo am Ende des Nichts.
Ich weiß nicht, was ich hier will und wieso ich hier bin.
Vielleicht ist es die Angst vor den Menschen da draußen. Vielleicht möchte ich einfach nur allein sein, aber vielleicht stehe ich auch hier, weil ich aufgegeben habe, nach jemandem zu suchen, der mich versteht.Nun stehe ich hier. Das steht fest. Ich stehe fest, irgendwo, und starre ins endlose Nichts. Seit ich denken kann, stehe ich eigentlich schon hier. Ich stand schon immer hier, glaube ich. Hier im Nichts. Jedenfalls habe ich keine Erinnerungen mehr an das, was vor dem Nichts war. Ich weiß nicht, ob ich jenseits des Nichts irgendjemanden habe. Familie, Freunde, Kollegen oder irgendjemand anderen. Mein Nichts ist weiß. Nichts eben. Ein kahler, lebloser, weißer Raum. Ich weiß eigentlich nicht, ob ich mich tatsächlich in diesem weißen Raum befinde, aber dafür, dass ich nur diesen sehe, gehe ich davon aus, mittendrin zu stehen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht einmal, ob es tatsächlich ein Raum ist, in dem ich mich befinde - ob es ein großer oder kleiner Raum ist. Ich schau nach rechts, links - alles weiß. Ich schaue hinter mir, aber dort - gleich wie auch vor mir - ist alles weiß. Ich schaue an mir herab, alles ist weiß, genau wie oben auch. Ich glaube, überall nachgeschaut zu haben, aber ich weiß es nicht - Alles ist weiß, alles ist nichts. Nur in meinen Gedanken kann ich reden. Ich stelle mir die Frage, wie ich hierher gekommen bin. Ich weiß nicht, wie ich hierher gekommen bin. Wie bin ich hierher gekommen? Ich kenne keine Antwort auf meine Frage. Es geschieht nichts im Nichts, das mich aufklären würde. Es geschieht aber auch nichts, das mich nicht aufklären würde. Es passiert eben nichts. Keine Spur von Bewegung oder Leben, keine Spur von Menschen. Vielleicht kannt ich mal Menschen. Vielleicht hatte ich sogar eine Familie. Geschwister, auf die ich mich verlassen konnte. Meine Mutter, die ich über alles geliebt habe. Mein Vater, mit dem ich alles unternehmen konnte. Vielleicht hatte ich mal solch eine Familie. Wenn das aber so wäre, dann würde ich ein Verlangen nach meiner Familie verspüren, aber da ist nichts. Da ist nichts im Nichts. Es geschieht nichts. Ich weiß nicht, ob ich allein bin, ob ich schon einmal hier war, ob mich gerade jemand sucht, ob mich jemand sieht. Ich bin dem Nichts ausgeliefert. Es geschieht nichts im Nichts, aber ich bin absolut zufrieden mit der Situation. −

... „Seltsamer Traum!“ dachte ich mir, als ich in diesem Moment in einem Bett aufwachte. Aber was habe ich in diesem edel geschmückten Raum voller Leute, die noch edler gekleidet sind, verloren, denn danach sah es aus, als ich mich langsam aufsetzte, bevor ich wieder erschöpft, verletzt vom Anblick erschlagen in die Matratze fiel und sich meine Augen vor Müdigkeit schlossen und ich wieder dort landete, wo meine Geschichte begann...
Sa, 15. Mai 2010, 12:39
VisionHate
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so hier einmal eine Geschichte von mir.
ich weiß sie ist wahnsinnig kitschig.
aber das musste einmal sein
ich eiß sie ist kurz
...
viele Fehler
aber ich wollte sie trotzdem hier hinein schreiben:

Meersströhmung

„ich friere wegen dir und doch wärmst du mein Herz. Ich werde dich immer so lassen wie du bist. Du selber, niemals perfekt!“
Das Mädchen frohr, in ihrem weiten Sommerkleid aus hellen, weichen, leichten Stoff. Eine lange Haarsträhne wurde hochgeweht. Ein Vogel zwitscherte. Sie schob ihr Fahrrad, ein altes klappriges Fahrrad, über die Wiese. Auf dem Feldweg stieg sie auf und fuhr los. Das Kleid wehte.
„ich habe Angst davor! Niemals nie, ich vermisse dich.“Ein klingeln „dingdong“ ein kratzen, trampeln und scharren. Die tür quietschte. Ein Junge schaute sie an
„Momente sind magisch. Dieser nicht. Er sollte auch nicht. Er sollte einfach so sein. Der Moment oder du, ich weiß es nicht!“Sie gingen Hand in Hand. Das Fahrrad blieb.
Wenig später stiegen sie in das kalte Wasser des Meeres. Ein Radio lief im Hintergrund. Die Wellen rauschten. Beide hielten sich fest, ließen nicht los.
Die Wellen brachen auf sie ein.
Das Meer zog beide rein.
Sie würden nie loslassen.
“ Sturmwarnung! Wir bitten sie nicht ins Meer zu gehen. Starke Strömungen und hohe Wellen
sind durch die Sturmflut zu erwarten.“
Signatur=) Smile. Wer lächelt fühlt sich gleich besser.
Wer lächelt kann geliebt werden.
wer immer nur traurig ist nur bedingt
Sa, 7. August 2010, 22:11
Brausebomm 5 Sprüche
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Sie lag da,
So leblos und starr.
Er weinte - doch das würde auch nichts mehr ändern.
War das Liebe?
Er wusste es nicht.
Hatte sie es seinetwegen getan?
Oder war es doch ein Unfall?
Er wusste es nicht.
Und er weinte um sie.
Kniete vor ihrem Körper.
So viele Fragen
Und doch keine Antworten.
Er nahm ihre Hand.
Sie war eiskalt.
Wie lange lag sie hier schon?
Er wusste nichts und er wollte nichts wissen.
Hatte sie ihn so sehr geliebt?
Wie hatte er ihre Liebe nicht erwiedert?
Er wusste es nicht.
Sie hatte es nicht verdient.
War so ein fröhlicher Mensch gewesen.
Jetzt lag sie hier - vor seinen Knien.
Er wollte fliehen.
Wieso konnte er es nicht?
Er wusste es nicht.
Er wusste nur eins...
Sie würde nie wieder lachen,
Nie mehr reden,
Nie mehr weinen,
Und nie mehr leben!

(verschoben aus der Spruchsammlung)
Mo, 20. Juni 2011, 15:39
Loa 914 Sprüche
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von Franz Hohler gibt es wundervolle, teils auch sehr groteske Kurzgeschichten, kann ich nur empfehlen!
Hier eine seiner bekanntesten:

Der Weltuntergang
Franz Hohler

Der Weltuntergang
meine Damen und Herren
wird nach dem, was man heute so weiss
etwa folgendermassen vor sich gehn:

Am Anfang wird auf einer ziemlich kleinen Insel
im südlichen Pazifik
ein Käfer verschwinden
ein unangenehmer und
alle werden sagen
Gott sei Dank ist dieser Käfer endlich weg
dieses widerliche Jucken, das er brachte
und er war immer voller Dreck.

Wenig später werden die Bewohner dieser Insel merken
dass am Morgen früh
wenn die Vögel singen
eine Stimme fehlt
eine hohe, eher schrille
wie das Zirpen einer Grille
die Stimme jenes Vogels, dessen Nahrung, es ist klar
der kleine, dreckige Käfer war.

Wenig später werden die Fischer dieser Insel bemerken
dass in ihren Netzen
eine Sorte fehlt
jene kleine, aber ganz besonders zarte, die -
hier muss ich unterbrechen und erwähnen
dass der Vogel mit der eher schrillen Stimme
die Gewohnheit hat oder gehabt haben wird
in einer langen Schlaufe auf das Meer hinaus zu kehren
und während dieses Fluges seinen Kot zu entleeren
und für die kleine, aber ganz besonders zarte Sorte Fisch war dieser Kot
das tägliche Brot.

Wenig später werden die Bewohner des Kontinents
in dessen Nähe die ziemlich kleine Insel im Pazifik liegt bemerken,
dass sich überall
an den Bäumen, auf den Gräsern, an den Klinken ihrer Türen
auf dem Essen, an den Kleidern, auf der Haut und in den Haaren
winzige schwarze Insekten versammeln
die sie niemals gesehen
und sie werden's nicht verstehen
denn sie können ja nicht wissen
dass die kleine, aber ganz besonders zarte Sorte Fisch
die Nahrung eines grössern, gar nicht zarten Fisches war
welcher seinerseits nun einfach eine andre Sorte jagte
einen kleinen, gelben Stichling vom selben Mass
der vor allem diese schwarzen Insekten frass.

Wenig später werden die Bewohner Europas
also wir
merken, dass die Eierpreise steigen
und zwar gewaltig
und die Hühnerfarmbesitzer werden sagen
dass der Mais
aus dem ein Grossteil des Futters für die Hühner besteht
vom Kontinent in dessen Nähe die ziemlich kleine Insel im Pazifik liegt
plötzlich nicht mehr zu kriegen sei
wegen irgendeiner Plage von Insekten
die man mit Giften erfolgreich abgefangen
nur leider sei dabei auch der Mais draufgegangen.

Wenig später
jetzt geht es immer schneller
kommt überhaupt kein Huhn mehr auf den Teller.
Auf der Suche nach Ersatz für den Mais im Hühnerfutter
hat man den Anteil an Fischmehl verdoppelt
doch jeder Fisch hat heutzutage halt
seinen ganz bestimmten Quecksilbergehalt
bis jetzt war er tief genug, um niemand zu verderben
doch nun geht's an ein weltweites Hühnersterben.

Wenig später
werden die Bewohner jener ziemlich kleinen Insel im südlichen Pazifik
erschreckt vom Ufer in die Häuser rennen
weil sie das, was sie gesehen haben, absolut nicht kennen.
Die Flut hat heute
und dazu muss man bemerken
der Himmel war blau und Wind gab es keinen
und der Wellengang war niedrig wie stets bei schönem Wetter
und trotzdem lagen heute nachmittag
die Ufer der Insel unter Wasser
und natürlich wusste niemand
dass am selben Tag auf der ganzen Welt
die Leute von den Ufern in die Häuser rannten
und die Steigung des Meeres beim Namen nannten.

Wenig später
werden die Bewohner jener ziemlich kleinen Insel im südlichen Pazifik
von den Dächern ihrer Häuser in die Fischerboote steigen
um in Richtung jenes Kontinents zu fahren
wo seinerzeit die Sache mit dem Mais passierte.
Doch auch dort ist das Meer schon meterhoch gestiegen
und die Städte an der Küste und die Häfen, die liegen
schon tief unter Wasser
denn die Sache ist die
man musste das gesamte Federvieh
also sechs Milliarden Stück
vergiftet wie es war
verbrennen
und der Kohlenstaub, der davon entstand
gab der Atmosphäre
durch Wärme und Verbrennung schon bis anhin strapaziert
den Rest.
Sie liess das Sonnenlicht wie bisher herein
ABER NICHT MEHR HINAUS
wodurch sich die Luft dermassen erwärmte
dass das Eis an den Polen zu schmelzen begann
die Kälte kam zum Erliegen
und die Meere stiegen.

Wenig später werden die Leute
die mittlerweile in die Berge flohen
hinter den Gipfeln
weit am Horizont
ein seltsam fahles Licht erblicken
und sie wissen nicht, was sie denken sollen
denn man hört dazu ein leises Grollen
und wenn einer der Ältern jetzt vermutet
dass nun der Kampf der Grossen beginnt
um den letzten verbleibenden Raum für ihre Völker
da fragt ein andrer voller Bitterkeit
wie um Himmels willen kam es soweit.

Tja, meine Damen und Herren
das Meer ist gestiegen weil die Luft sich erwärmte
die Luft hat sich erwärmt, weil die Hühner verbrannten
die Hühner verbrannten, weil sie Quecksilber hatten
Quecksilber hatten sie weil Fisch gefüttert wurde
Fisch hat man gefüttert, weil der Mais nicht mehr kam
der Mais kam nicht mehr, weil man Gift benutzte
das Gift musste her, weil die Insekten kamen
die Insekten kamen, weil ein Fisch sie nicht mehr frass
der Fisch frass sie nicht, weil er gefressen wurde
gefressen wurde er, weil ein anderer krepierte
der andere krepierte, weil ein Vogel nicht mehr flog
der Vogel flog nicht mehr, weil ein Käfer verschwand
dieser dreckige Käfer, der am Anfang stand.

Bleibt die Frage
stellen Sie sie unumwunden
warum ist denn dieser Käfer verschwunden?

Das, meine Damen und Herren
ist leider noch nicht richtig geklärt
ich glaube aber fast, er hat sich falsch ernährt.
Statt Gräser zu fressen, frass er Gräser mit Öl
statt Blätter zu fressen, frass er Blätter mit Russ
statt Wasser zu trinken, trank er Wasser mit Schwefel
so treibt man auf die Dauer an sich selber eben Frevel.

Bliebe noch die Frage
ich stell' mich schon drauf ein
wann
wird das sein?

Da kratzen sich die Wissenschaftler meistens in den Haaren
sie sagen in zehn. in zwanzig Jahren
in fünfzig vielleicht oder auch erst in hundert
ich selber habe mich anders besonnen
ich bin sicher
der Weltuntergang, meine Damen und Herren
hat
schon
begonnen.
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Mo, 25. Juli 2011, 17:05
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Ein Bussard saß auf einem Baum
und tat den ganzen Tag gar nichts.
Ein kleines Kaninchen sah den Bussard und fragte ihn:
"Kann ich auch so wie du den ganzen Tag dasitzen
und nichts tun?"
"Klar", antwortete der Bussard,
"Das ist doch kein Kunststück".
Also setzte sich das Kaninchen an den Fuß des Baumes
und ruhte sich aus.
Auf einmal erschien ein Fuchs,
sprang auf das Kaninchen und fraß es auf.

Und die Moral der Geschichte?
Um den ganzen Tag dazusitzen und nichs zu tun,
muss man sehr, sehr weit oben sitzen.
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joy

Sa, 3. September 2011, 10:32
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Die Uhr, die auf 7 Uhr stehen blieb
nach Giovanni Papini


An einer der Wände in meinem Zimmer hängt eine schöne alte Uhr, die leider nicht mehr geht. Ihre Zeiger sind schon vor ewigen Zeiten stehengeblieben und zeigen ununterbrochen dieselbe Uhrzeit an: Punkt sieben Uhr.

Die meiste Zeit ist diese Uhr nur ein nutzloser Schmuck an einer leeren weißen Wand. Trotzdem gibt es zwei Momente am Tag, zwei flüchtige Augenblicke, in denen die alte Uhr aufzuerstehen scheint wie ein Phönix aus der Asche.
Eenn alle Uhren der Stadt in ihrer einwandfreien Gangart sieben Uhr anzeigen und ihre Kuckucks und Läutwerke sieben mal ihren Klang vernehmen lassen, scheint die Uhr in meinem Zimmer langsam zum Leben zu erwachen. zweimal am Tag, morgens und abends, fühlt sie sich in komplettem Einklang mit dem Rest des Universums.

Jemand, der die Uhr in genau diesem Moment ansieht, müsste denken, dass sie perfekt funktioniert... aber sobald dieser Moment vorbei ist, wenn die übrigen Uhren ihren Klang einstellen und die Zeiger weiter ihren monotonen Gang gehen, verliert meine Uhr ihren Schritt und verharrt treu dort, wo sie einst stehengeblieben war.
Ich mag diese Uhr. Und je mehr ich von ihr rede, desto lieber wird sie mir, weil mir immer deutlicher wird, wie sehr ich ihr ähnele.

Auch ich bin irgendwann einmal stehengeblieben. Auch ich fühle mich starr und unbeweglich. Auch ich bin irgendwie bloß nutzloser Schmuck an einer leeren Wand. Aber ich genieße die flüchtigen Momente, in denen auf mysteriöse Art meine Stunde gekommen ist. Dann fühle ich mich sehr lebendig. Alles scheint mir klar und die Welt ein wunderbarer Ort. Ich kann schöpferisch sein, träumen, fliegen und mehr fühlen und sagen als in der ganzen übrigen Zeit. Solche Momente glücklicher Übereinstimmung gibt es immer wieder, in unbeirrbarer Folge.
Beim ersten Mal habe ich versucht, diesen Augenblick anzuhalten, damit er für immer bleibe. Aber es war vergeblich. Wie meinem Freund, der Uhr, entschwand auch mir die Zeit der anderen.
Waren diese Momente vorbei, gingen die anderen Uhren in den anderen Menschen weiter ihren Gang, und ich kehrte zu meiner todesstarren Routine zurück. Zu meiner Arbeit, meinen Kaffeehausgesprächen, ich ging weiter meinen langweiligen Trott, den ich gewohnheitsmäßig Leben nannte.

Aber ich weiß, dass Leben etwas anderes ist.
Ich weiß, dass das wahre Leben die Summe solcher flüchtiger Momente ist, in denen wir uns im Einklang der Welt fühlen.

Fast jeder bedauernswerte Mensch glaubt, dass er lebt. Es gibt bloß einzelne Momente der Fülle, und diejenigen, die das nicht wissen und daran festhalten, immer leben zu wollen, werden an die graue und immergleiche Alltagswelt festgekettet bleiben.

Deshalb mag ich dich, alte Wanduhr.
Weil wir gleich sind, du und ich.
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Sa, 3. August 2013, 13:15
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Die Quelle, die Verrückte macht
Ich war in einem Land, in dem ein Brunnen stand,
der die Leute zu Verrückten machte.
Nun hatten alle von dieser Quelle getrunken, aber ich noch nicht.
Doch sie hielten mich, der ich doch hätte normal sein sollen, für so verrückt, dass ich wirklich langsam den Verstand zu verlieren drohte.
Und so trank ich von der Quelle, die Verrückte macht, um normal zu sein
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