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Gedanken…


Tanja 5427 Sprüche - 19. November 2010

Tolerante Liebe


Findest du Freude daran, wenn jemand anders Erfolg hat?
Spielt du fair, wenn du an einem Wettbewerb beteiligt bist?
Bist du intellektuell,
weißt aber, dass das alleine nicht zur Weisheit ausreicht?
Siehst du alles um uns als eine Illusion,
aber hast auch Freude daran, wenn du nicht Teil davon bist?
Hast du sowohl männliche als auch weibliche Eigenschaften,
hast ein politisches Bewusstsein und glaubst nicht an die Todesstrafe?
Findest du Freude am Tauchen,
siehst du ein, dass jemanden zu lieben sich wie Freiheit anfühlen kann?
Bist du witzig und kannst über dich selbst lachen,
liebst das Abenteuer und hast dir von möglichst vielen Dingen ein eigenes Urteil gebildet?
Bist du in Bett ungehemmt, öfter als dreimal die Woche, für Experimente aufgeschlossen?
Bist du sportlich?
Gehst du in einem Job auf, der deinem Nächsten hilft?
Bist du nicht süchtig?


Das alles fragt Alanis Morisette in dem schönen Lied “21 Things I want from a Lover” ab. Sie singt, es sein keine Notwendigkeiten, aber doch Qualitäten, die sie bevorzugen würde und auf die sie ihretwegen auch eine Weile warten kann.

Ich habe mich gefragt, worauf es denn nun wirklich beim Männchen oder Weibchen der Wahl ankommt.

Sind es allgemeine Qualitäten, die jeder sich aneignen kann? Ein bisschen Gepfegtheit, Wissen, Aufgeschlossenheit?
Sind es Qualitäten, die eben auch vom Suchenden abhängen, wie ein geteiltes Hobby und die übereinstimmende Einstellung zur Atomkraft?
Sind es Qualitäten, die derjenige kaum beeinflussen kann, wie Aussehen und Herkunft?

Ich denke, ich kenne eure Antwort:
Manches kann man beeinflussen.
Teilweise muss die Chemie stimmen.
Aber das ist nicht alles. Der arme Kerl mit Schuppenflechte und ausgeprägter Schizophrenie tut sich trotz Abitur und gleichen Hobbys schwer, aus seinem Singledasein rauszukommen. Auch wenn er verdammt wenig dafür kann.

Es ist alles drei.

Und damit kommt mir so eine Frage.
Die westliche Welt liebt Worte wie “Toleranz” und “Meinungsfreiheit”.
Wie weit gelten solche Werte eigentlich hier?

Angenommen, André, 24 Jahre alt, hat eine total liebe Kommilitonin im Semester. Sie war mit ihm öfters abends weg und hat angedeutet, dass sie ihn ehrlich interessant findet. Er merkt, dass sie Stil und Charme hat, sie ist nicht dumm, sie meint es ehrlich, sie ist rundum schwer in Ordnung. Aber irgendwie will er eben doch nichts mit ihr anfangen.
Er kann sich nicht vorstellen, mit einer Schwarzen zusammen zu sein.
Wie würdet ihr reagieren, wenn er euch das erzählt?
Ablehnend?

Ich tu mal so, als hätte ihr “ja” gesagt.
Dann kommen wir nämlich zur vierzehnjährigen Lisa, die ein Problem mit dem Kerl hat, der ihr einen Liebesbrief geschrieben hat. Sie kennt ihn kaum und würde normalerweise problemlos mal mit ihm ins Kino gehen, ihm ‘ne Chance geben. Aber sie hat ihn gesehen und weiß: Er ist ein ziemliches Schwergewicht.
Sie kommt ins Zögern. Vielleicht ist er ja nett. Und sie geht auch keine Verpflichtung ein, wenn sie sich nur mal mit ihm trifft. Ihm ‘ne Chance gibt. Aber sie will nicht.
Redet ihr ihr ins Gewissen?

Und dann ist da noch Lena, die bereits 32 ist und ihren kleinen Sohn alleine erzieht. Und als sie ihn vom Kindergarten abholt, lernt sie einen netten Mann kennen. Sie kommen ins Gespräch und kommen nur schwer wieder raus, treffen sich schließlich, finden Interesse aneinander. Sie findet, die sieben Jahre Altersunterschied sind auch voll im grünen Bereich. Aber dann erfährt sie, dass ihm gerade erst gekündigt wurde und er jetzt arbeitslos ist. Und sie gerät ins Grübeln: Mit fast 40 einen neuen Job zu finden wird schwer für ihn. Gleichzeitig wird ihr aber vielleicht die Unterstützung ihres Exmannes gestrichen, wenn sie neu verheiratet ist. Und der Kleine kommt bald in die Schule – das alles wird bestimmt nicht billiger.
Sie ist sich nicht sicher. Ihr Verstand sagt ihr, dass sie mit ihm langsam tun sollte.
Dabei hatte sie eigentlich von sich selbst den Anspruch, bei Männern nicht nur auf die Geldbörse zu sehen.

Was ist nun aus den Werten geworden?

Vor dem Gesetz sind Schwarze und Weiße, Dicke und Dünne, Arme und Reiche gleich. Und das findest du eigentlich auch ganz gut. Du hast selbst noch nie den Dönermann angepöbelt, verachtest deinen besten Freund nicht, nur weil seine Hüften etwas besser gepolstert sind, und gibst sogar manchmal den Geigenspielern in der Fußgängerzone ein bisschen was. Eigentlich hältst du dich für weltoffen.
Aber würdest du deshalb mit jedem gehen?
Und welche Gründe kannst du für dich akzeptieren, um “nein” zu sagen?

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