direkt zum Inhalt direkt zum Menü direkt zur Kategorieauswahl

0 User und 20 Gäste online
Spruch-Kategorien anzeigen

Gedanken…


Tanja 5427 Sprüche - 8. August 2010

Scheißegal


In den westlichen Religionen ist es verboten, sich ein Bild von Gott zu machen.
Juden und Christen haben dafür Exodus 20,4-5.
Muslime erwähnen das Bilderverbot nicht im Koran, nehmen es aber - wie spätestens der Karrikaturenstreit zeigt - doch sehr ernst.
Also habe ich meine google-Bildersuche angeschmissen.

"Gott" bekommt knapp eine Milionen Ergebnisse. Darunter genügend, die ihn tatsächlich darstellen sollen, mit Rauschebart und weißem Gewand.
Jahwe bekommt nur gut ein Fünftel der Treffer. Die meisten der Bilder stellen die hebräischen Schriftzeichen für das Wort "Jahwe" dar.
Allah bekommt weit über fünf Millionen Ergebnisse und schlägt damit locker Christen- und Judentum. Allerdings sind auch hier meist nur arabische Schriftzeichen zu sehen - keine Abbildung des Gottes.

Ich bin ins Schüler-VZ gegangen und habe mir die Gruppen angesehen, in denen das Wort "Gott" vorkommt.
Zunächst gibt es da die, die Gott nur in den Phrasen "Oh Gott!" und "Mein Gott!" aufnehmen.
Dann einige Seiten voller Gruppen "Soundso ist mein Gott, was er sagt ist meine Bibel und meine Seele habe ich an die Filmindustrie verkauft". Am beliebtesten sind hierbei Edward Cullen und Chuck Norris. Danach folgen beliebige Filmstars und Sportler.
Als nächstes kommen die Ungläubigen, die sich ein gewieftes Wortspiel gesucht haben, um ihrem Protest Schärfe zu verleihen: "Gott segne uns Atheisten"
Zum Schluss bleiben noch ein paar Muslime, die bekennen "Allah ist unser Gott!".

Die einzigen Gruppen, die ernsthaft etwas mit dem christlichen Gott zu tun hatten, waren zwei Diskussionsforen und ein paar Gruppen mit so überzeugter Christlichkeit, dass es fast schon wieder abschreckend ist.
Ich will ja nichts sagen, aber das Christentum ist die offizielle Religion von 60% der Deutschen. 80% der Schweizer Bürger. 70% der Österreicher.
Wie wenige sich in einer deutschsprachigen Jugendsammelstelle mit einer christlichen Gruppe sehen lassen wollen, ist bezeichnend.

Ich gebe zu: In meinem Profil findet sich auch keine sonderlich religiös angehauchte Gruppe. Das wäre bei meinem Verhältnis zur Religion auch ziemlich daneben.
Ich hätte auch gar nichts gegen diese Ignoranz gegenüber der Religion, wenn ich das Gefühl hätte, dass dahinter eine bewusste Entscheidung gegen den Glauben steht.
Ich habe aber zunehmend den Eindruck, die meisten könnten nicht formulieren, was sie glauben, ohne mit "So halt irgendwie Gott, aber jetzt nicht so wie in der Bibel..." oder alternativ "What? Gott? Bibel? Ich bin doch nicht gestört, ey!" zu beginnen.
Genauso wenig wie sie ein plausible Erklärung dafür liefern können, warum sie nicht glauben.
Oder das Basiswissen über Bergpredigt und die zehn Gebote zeigen, um überhaupt zu wissen, was sie da ablehnen.

Ich meine, ich kenne einige andere, die sich mit ihrem Glauben auseinandergesetzt haben.
Viele davon sind sehr skeptisch gegenüber der Religion, in die sie geboren wurden. Manche Atheisten. Ein paar stehen offen zum Glauben. Wenige sind sogar überzeugt religiös. Egal zu welchem Ergebnis sie kamen, ich konnte sie irgendwo nachvollziehen.
Bei denen, die sich diese Fragen überhaupt gestellt haben, kamen diese Gedanken erst weit nach Konfirmation, Erstkommunion und Firmung. Was mir zeigt, dass sie ihre Taufe nicht bestätigt, sondern hauptsächlich gefeiert haben.

Bei den meisten anderen kommen diese Gedanken aber überhaupt nicht.
Der ganze Rest, der mit mir in der Konfirmandengruppe saß, der mit an Weihnachten vor der Kirche zuwinkt, den die Lernerei für Reli ankotzt; die ganzen Leute, die weder blöd noch gedankenlos sind, die so faul oder engagiert oder durschnittlich sind wie jeder andere auch

- denen ist es irgendwie scheißegal.


Zur Diskussion



Das Spruch-Archiv weiterempfehlen