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Gedanken…


Tanja 5428 Sprüche - 31. Oktober 2010

Von Affen und Schlangen


Ein paar Jahrgangskameraden nehmen in Reli wohl gerade den Kreationismus durch. Jedenfalls höre ich immer wieder Sätze über "Intelligent Design", die Schöpfungsgeschichte und die Evolution. Und nicht selten in in diesen Sätzen eine Wertung vorhanden, die zeigt: Ich bin auf der Seite der Wissenschaft - nicht bei denen, die an diesen dämlichen Geschichten festhalten.

Ich habe mir auf Youtube ein paar Videos um einen US-amerikanischen Streit angesehen, in dem es darum ging, ob in der Schule die Schöpfungsgeschichte oder die Evolution gelehrt wird. Beides zu lehren scheint für die Amerikaner nicht in Frage zu kommen, denn das hieße, dass ihre Kinder sich eine eigenständige Meinung bilden.
Jedenfalls sind da die Kreationisten, die sich in Agitation mit lustigen Kinderliedern üben, und die Wissenschaftler, die panische Angst davor haben, dass ihre Kinder auch einen zweiten Standpunkt mitbekommen, und beide hauten sich über Jahre die Köpfe ein.

Ich habe natürlich keine Ahnung, was vor ein paar Millionen Jahren tatsächlich geschehen ist.
Denn ich kann mir auf der einen Seite ein paar Knochen im Museum anschauen und mir erzählen lassen: Das ist der Neandertaler, und der beweist dies und jedes. Und auf der anderen Seite kann ich ein paar Leuten zuhören, die mir erklären, dass es praktisch unmöglich ist, dass dieses und jenes Tier ohne göttlichen Schubs in die Richtige Richtung entstanden ist.
Aber sein wir ehrlich: Der Typ im Museum könnte mir auch einen stinknormalen Schimpansen-Schädel vor die Nase halten und mir irgendwas dazu erzählen. Und im Gegenzug kann ich überhaupt nicht abschätzen, wie wahrscheinlich dieses und jenes Tier so ist.
Letztendlich höre ich mir also von zwei Seiten Geschichten an, von denen ich persönlich nicht abschätzen kann, wie viel Wahrheit dahinter steckt. Welcher Seite ich Glauben schenke scheint für mich inzwischen weniger eine Sache der Vernunft, als eine Sache der Konventionen und meines Umfeldes zu sein.

Und dabei ist anscheinend immer völlig klar, dass ich mich entscheiden muss - Glaube oder Vernunft?

Dabei denke ich, dass Wissenschaft und Religion vielleicht ein und das selbe Geschehen betrachten, nur aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Nehmen wir Lilli und Lola, die zu ihrer Freundin Olivia fahren. Dort angekommen fragt Olivia: "Nanu, wieso seid ihr denn hier?"
Und dann beginnt Lilli: "Also. Wir sind zum Bahnhof gegangen, stiegen in diesen Zug ein, warteten ein paar Bahnhöfe ab, stiegen dann an diesem Bahnhof wieder aus und sind das restliche Stück zu deinem Haus gelaufen."
Lola hingegen antwortet: "Och, wir hatten einfach Lust, dich mal wieder zu sehen."
Falsch ist keine der beiden Antworten. Und um es mal zu übertragen:
Der Mensch fragt sich: "Wie bin ich denn hierher gekommen?"
Und die Wissenschaft sagt: "Tja, du bist in die Bakterie eingestiegen, hast ein paar Gattungen abgewartet, bist schließlich bei den Menschenaffen ausgestiegen und hast dich das restliche Stück bis hier entwickelt"
Während die Religion antwortet: "Gott hatte Lust darauf"

Wieso sollte auch Gott, wenn er handelt, immer völlig außerhalb aller Wahrscheinlichkeiten handeln?
Wenn Gott die Naturgesetze geschaffen hat, wieso sollte er sie brechen müssen, um zu agieren?
Wieso sollte er uns aus Lehm oder einer Rippe formen, wenn er auch einfach das vorhergehende Tier nehmen kann?

Habt ihr mal einen der Final-Destination-Filme gesehen? Die Filme mit dem Tod, der hinter einer Gruppe Menschen her ist, die eigentlich gefälligst hätte sterben müssen?
Ein Maus knabbert an einer Weiche rum, die Befestigung eines Säbels kann nicht länger der Schwerkraft standhalten - und schwupps, geht wieder einer drauf.
Einer dieser Filme hat gereicht, um mich eine Woche lang paranoid werden zu lassen - aber eines zeigen sie doch ganz eindrucksvoll: Es braucht kein spektakuläres Wunder, um eine Übermacht handeln zu lassen. Der Tod kann sich ganz wunderbar im Rahmen der Naturgesetze austoben.
Mag makaber klingen, aber so könnte ich mir das auch für Gott vorstellen, wenn es denn einen gibt. Einer, der eingreifen kann, ohne, dass wir viel davon merken. Der nicht durch Ungereimtheiten greifbar wird. Und der sich nicht durch physikalische Erkenntnisse widerlegen lässt.

Vielleicht ist es auch völlig anders.
Aber so ein Gott würde doch zumindest zeigen, dass es nicht notwendig ist, sich in eine Sichtweise festzubeißen und alles andere für Humbug zu erklären.

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