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Arthur Schopenhauer

~ Von Rainer Kaune ~


Arthur SchopenhauerDa Arthur Schopenhauer (* 22. Februar 1788; † 21. September 1860) über ererbtes Vermögen verfügte und dieses geschickt zu bewahren wusste, konnte er sich die Freiheit nehmen, ungeschminkt zu sagen, was er für Wahrheit hielt. Insbesondere vertrat er die Lehre, ein „blinder Wille zum Leben“ sei die Kraft aller Kräfte, und die bislang so hoch gepriesene Vernunft sei lediglich ein sehender Zwerg.

Schopenhauers philosophisches Denken war im Kern völlig neu. Sein Schreibstil war von höchster Brillanz.

Der geniale Philosoph blieb ohne persönliches Lebensglück, denn er war eine Einsamkeitsnatur mit pathologischen Zügen.


Arthur Schopenhauer
und „Die Welt als Wille und Vorstellung“


Imposant war Schopenhauers Werkgesinnung und der Glaube an seine Mission. Besonders bezeichnend die Aussage: „Schon in früher Jugend habe ich an mir bemerkt, dass [...]ich einen Schatz in mir trage, der unendlich mehr Wert hat als alle äußeren Güter und dass es nur darauf ankommt, diesen Schatz zu heben, wozu geistige Ausbildung und volle Muße, mithin Unabhängigkeit, die ersten Bedingungen sind.“

Als der Vater – ein begüterter Großkaufmann, der anfangs in Danzig und später in Hamburg lebte - urplötzlich aus dem Leben schied, entfiel für den erheblich erbenden Sohn die Verpflichtung, den Berufsweg des Kaufmanns zu gehen. Das neue Ziel hieß: Bildung erwerben und der philosophischen Wahrheit dienen.

Die systemkonformen „Universitätsphilosophen“, die überall den Ton angaben, widerten Arthur Schopenhauer an. Er diagnostizierte, dass bei diesen die Wahrheit „nur eine sekundäre Stelle“ einnehme und dass ihr Hauptanliegen sei, „mit Ehren ein redliches Auskommen für sich, nebst Weib und Kind, zu erwerben, auch ein gewisses Ansehn von den Leuten zu genießen“.

Für die „wirklichen Philosophen“ hingegen galt laut Schopenhauer, dass ihr „ganzer und großer Ernst im Aufsuchen eines Schlüssels zu unserem so rätselhaften wie misslichen Dasein“ liege.

Fündig auf der Suche nach diesem philosophischen Dietrich wurde der große Wahrheitssucher bereits im Alter von nur Ende zwanzig. Stolz und beglückt vertraute er dem Papier an: „Unter meinen Händen und vielmehr in meinem Geist erwächst ein Werk, eine Philosophie, die Ethik und Metaphysik in einem sein soll [ ...] Ich seh’ es an und spreche wie die Mutter: ‚Ich bin mit Frucht gesegnet.’“

Das Buch trug den sehr zutreffenden Titel „Die Welt als Wille und Vorstellung“ und erschien zu Beginn des Jahres 1819 auf dem Buchmarkt. Der äußerst selbstsichere Autor über sein Werk: „[...] ein neues philosophisches System, aber neu im ganzen Sinne des Wortes: nicht neue Darstellung des schon Vorhandenen, sondern eine im höchsten Grade zusammenhängende Gedankenreihe, die bislang noch nie in irgendeines Menschen Kopf gekommen.“

Unter „Vorstellung“ verstand Arthur Schopenhauer, dass „alles, was für die Erkenntnis da ist, also die ganze Welt, nur Objekt in Beziehung auf das Subjekt ist, Anschauung des Anschauenden [...]“

Doch weit interessanter - weil wirklich originell! - dann das, was Schopenhauer mit dem Begriff „Wille“ belegte. Sehr erhellend bei ihm Formulierungen wie diese: „Jeder Blick auf die Welt [...] bestätigt und bezeugt, dass Wille zum Leben [...] der allein wahre Ausdruck ihres innersten Wesens ist. Alles drängt und treibt zum Dasein [...]“ - „Sieh dich doch um! Was da ruft: ‚Ich, ich, ich will da sein’, das bist du nicht allein, sondern alles, durchaus alles, was nur eine Spur von Bewusstsein hat. Folglich ist dieser Wunsch in dir gerade das, was nicht individuell ist, sondern allen ohne Unterschied gemein.“

Schopenhauers Lehre, dass ein „blinder“, sinnloser Lebensdrang die Welt dominiere, war ein Angriff auf den herrschenden Panlogismus und eine Entzauberung des Menschen, dem nun eine enorme Triebsteuerung zugesprochen wurde. Der sehr leiborientierte Schopenhauer bezeichnete die Genitalien als „Brennpunkt des Willens“ und fügte hinzu, „der Mensch sei konkreter Geschlechtstrieb“.

Tief pessimistisch war Schopenhauers Blick auf Welt und auf Leben. Bezeichnend dafür seine Sätze: „Der Mensch ist im Grunde ein wildes, entsetzliches Tier. Wir kennen es bloß im Zustande der Bändigung und Zähmung, welcher Zivilisation heißt; daher erschrecken uns die gelegentlichen Ausbrüche seiner Natur. Aber wo und wann einmal Schloss und Kette der gesetzlichen Ordnung abfallen und Anarchie eintritt, da zeigt sich, was er ist.“

Das von Schopenhauer erwartete breite Echo auf sein philosophisches Hauptwerk und seine anderen Publikationen blieb sehr lange aus. Erst der weißhaarig gewordene Philosoph erntete großen, wohltuenden Ruhm.

Was immer ausblieb, war Freundschaft und Liebe, denn Schopenhauer war ein grämlicher, umgangsschwieriger Mensch. Still für sich klagte er: „Sobald ich zu denken angefangen, habe ich mich mit der Welt entzweit gefunden. [...] Mein ganzes Leben hindurch habe ich mich schrecklich einsam gefühlt und stets aus tiefer Brust geseufzt: ‚Jetzt gib mir einen Menschen!’ Vergebens. Ich bin einsam geblieben.“

Aber waren persönliche Misslichkeiten überhaupt wichtig? War nicht das Einzige, was zählte, das geschaffene Werk? – Schopenhauers entschiedene Antwort: „Wenn ich zu Zeiten mich unglücklich gefühlt, so ist dies mehr nur vermöge einer méprise, eines Irrtums in der Person geschehen, ich habe mich dann für einen Andern gehalten als ich bin und nun dessen Jammer beklagt:

zum Beispiel für einen Privatdozenten,
der nicht Professor wird und keine Zuhörer hat;
oder für einen,
von dem dieser Philister schlecht redet und jene Kaffeeschwester klatscht;
oder für den Beklagten in einem Injurienprozesse;
oder für den Liebhaber,
den jenes Mädchen, auf das er kapriziert ist, nicht erhören will;
oder für den Patienten, den seine Krankheit zu Hause hält;
oder für andere ähnliche Personen, die an ähnlichen Miseren laborieren;


das alles bin ich nicht gewesen, das alles ist fremder Stoff, aus dem höchstens der Rock gemacht gewesen ist, den ich eine Weile getragen und dann gegen einen andern abgelegt habe.

Wer aber bin ich denn? Der, welcher die Welt als Wille und Vorstellung geschrieben und vom großen Problem des Daseins eine Lösung gegeben, welche [...] die Denker der kommenden Jahrhunderte beschäftigen wird.“

Auf die Frage, wo dereinst seine Grabstätte sein solle, entgegnete der seit dem Jahre 1833 ständig in Frankfurt am Main lebende philosophische Selbstdenker: „Es ist einerlei, sie werden mich finden.“





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Zufallsspruch von Arthur Schopenhauer

Mirea 5129 Sprüche 01.05.2011 - 19:06   deutscher Spruch Facebook Share
Ein anderer, nicht wegzuerklärender und seine heillosen Folgen
täglich manifestierender Grundfehler des Christentums ist,
dass es widernatürlicherweise den Menschen losgerissen hat
von der Tierwelt, welcher er doch wesentlich angehört,
und ihn nur ganz allein gelten lassen will,
die Tiere geradezu als Sachen betrachtend.
Die bedeutende Rolle, welche im Brahmanismus
und Buddhaismus durchweg die Tiere spielen,
verglichen mit der totalen Nullität im Christentum,
bricht diesem letzteren den Stab; so sehr
man auch an solche Absurdität in Europa gewöhnt sein mag.

Arthur Schopenhauer erlaubterlaubtDer Spruch darf mit Autorenangabe frei verwendet werden, da die urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist († 21. September 1860)
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